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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 4)

Dieses conservative Element hielt bis vor Kurzem den Japaner noch 
ab, Fremdes und untnotivirt Fremdartiges mit dem logisch Begründeten, 
den Eigentbümlichkeiten seines Heimatlandes Entsprungenen zu ver- 
quicken; jenes Landes, welches durch die Lage und die klimatischen 
Verhältnisse die specifischen Bedürfnisse und Gewohnheiten seiner Leute 
ebenso bestimmt gestalten musste, als etwa die häufigen Erdbeben allein 
schon der gesammten tektonischen Kunstübung ein besonderes Gepräge 
aufzudrücken im Stande waren, welches seine bestimmende Wirkung in 
der Gestaltung und Ausstattung eines jeden auch unbedeutenden Geräthes 
noch nachklingen lässt. 
Die gebotene Knappheit gestattet mir nicht, von den naturliebenden 
Japanern weg die nähere Betrachtung auf eines oder das andere Volk 
und seine Verzierungskunst zu lenken, dessen charakteristische Eigen- 
thümlichkeiten in socialer, religiöser und ethischer Beziehung in beson- 
derer Weise bestimmend auf die Form der Bethätigung des Schönheits- 
sinnes einwirkten. Es bedarf ja. auch hier keiner näheren Ausführung, 
Es genügt der bloße Hinweis zunächst auf die osmanische Kunst im 
Allgemeinen, auf die Zierweisen der Araber zumal, bei welchen, wenn 
auch nicht ausschließlich. doch zum überwiegenden Theile der Contact 
mit dem aus der Naturbeobachtung resultirenden Formenreichthum ver- 
mieden erscheint. Der ewig sinnende und grübelnde, nach der Lösung 
geheimnissvoller Probleme trachtende Geist des Orientalen kommt hier 
zum Ausdruck in den scharfsinnigen Erfindungen rein geometrischer An- 
ordnungen farbiger Flächen und in den Band- und Schlingenornamenten, 
in den Rankenwerken, die in ewig sich erneuernder Fülle des Linien- 
und Farbenspiels von der pflanzlichen Form höchstens das nackte Princip 
der Bildung von Blatt und Stengel entlehnt haben. Aber gerade mit 
diesen bescheidenen Mitteln erzielt die orientalische Kunst ihre an das 
Fabelhafte grenzende Wirkung, die sprichwörtlich gewordene märchen- 
hafte Pracht, deren sinnberückender Zauber sich niemals abschwächt, deren 
Genuss niemals zur Ermüdung führt. 
Mögen nun die Ausdrucksmittel der Ornamentik wie immer be- 
schaffen sein, seien nun die Einzelheiten, welche den Formenschntz 
einer bestimmten Kunstperiode ausmachen, was immer für einem Vor- 
rathe entnommen, der Phantasie entsprungen oder der Natur abgelauscht 
in treuer Liebe, -- die künstlerische Art der Verwendung ist stets nur 
dann gerechtfertigt, wenn sie geregelt ist durch die schon früher ange- 
deuteten zwingenden Forderungen. 
Wenn wir nun die modernen Bestrebungen näher betrachten, welche 
dahin zielen, aus dem ewig wirksamen Jungbrunnen der Natur erneute 
Lebenskraft zu schöpfen, so fällt zunächst auf, dass in manchen 
Fällen kaum, in anderen aber gar nicht darauf Rücksicht genommen 
wird, ob und wie die in der Natur gefundenen Vorbilder überhaupt 
zu verwenden sind. Wenn hier von verschiedenen Fällen gesprochen
	        

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