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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 6)

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wechseln, auf anderen Objecten, gravirte, manchmal von erstaunlicher 
Feinheit, aber nie so wirkungsvoll wie die halherhabene Decoration. 
Der Uebergang von der gegossenen zur geschmiedeten Bronze voll- 
zog sich ohne Zwischenstufen. Eine solche industrielle Umwälzung ist 
nicht denkbar ohne den Eintritt eines mächtigen neuen Culturelementes 
- sagen wir eines fremden Volkes. Dieses Volk können aber nicht die 
Etrusker gewesen sein; denn diese besaßen eine vielleicht etwas anders- 
geartete, aber jedenfalls keine höhere Cultur als die Terramaricoli. Die 
Metallkunst, von der wir eben sprachen, ist aber das Ergebniss einer 
langen Entwicklung und Lehrzeit, von der in Italien alle Spuren fehlen. 
Das Verhalten der Etrusker und Italiker zur Metallkunst gleicht 
dem der Griechen im homerischen Zeitalter, wo bronzene Dreifüße, 
Schalen, Helme, Waffen als Kampfpreise für die besten Helden aus- 
gesetzt werden. Man erzählt sich die Herkunft einzelner Stücke, sei's 
dass sie Hephaistos selbst geschmiedet, sei's dass phönikische Kaufleute 
sie an den griechischen Küsten zurückgelassen. 
Dazu kommt noch, dass man eine Reihe von Formen jener Metall- 
kunst im Osten, in Griechenland und auf Kypern, wiederfindet, und dass 
andere Gegenstände, welche ausschließlich neben jenen Bronzen vor- 
kommen, zweifellos exotischer Herkunft sind. Hieher gehören eiserne 
Schwerter und Messer mit elfenbeinverzierten Knäufen; Drähte, Nadeln, 
Spiralen und Fibeln aus Gold, Goldscheiben mit getriebenen Ornamenten; 
vergoldete Bronzebleche; Drähte, Fibeln, Ringe, Armbänder und getriebene 
Bleche aus Silber; Anhängsel aus emaillirtem Glas, Muscheln, die im 
Mittelmeere nicht vorkommen, ägyptische oder ägytisirende (phönikische, 
griechische) Amulette und Skarabäen. 
Wahrscheinlich haben phönikische Schiffer den Seehandel eröffnet, 
welcher der italischen Keramik neue Vorbilder und dem italischen 
Luxus Bronzevasen und Bronzegeschmeide zufiihrte, den Sinn für Plastik 
weckte und in die dumpfen Hütten abendländischer Halbharbaren einen 
Schimmer von der Lebensfiille des Morgenlandes warf. Tyrus und Sidon 
hatten berühmte Erzwerkstätten, holten das Zinn aus dem fernsten 
Westen und brachten gewiss auch viel fertige Bronze und anderen Tand 
nach dem Occident. Doch werden sehr früh auch die Griechen an 
diesem Verkehr theilgenommen haben. Das geometrische Decorations- 
princip ist nicht eigentlich in der orientalischen Kunst zu Hause. Die 
Elemente desselben sind Gemeingut vieler Völker, nicht blos der Indo- 
gerrnanen, wie man früher gemeint hat; aber die Composition derselben 
zu einer wohlgeordneten Buntheit, der geometrische Stil, erscheint in 
seiner höchsten Ausbildung doch nur auf dem Boden Griechenlands und 
seiner Inseln. 
Außer dem Vorkommen verwandter Bronzen in Griechenland muss für 
die Ursprungsfrage des Villanovastils noch die Summe von mehr oder minder 
sicheren Nachrichten in Anschlag gebracht werden, welche einen uralten
	        
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