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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 6)

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Seeverkehr zwischen Griechenland und Italien bezeugen. Der 
Seestaat des Minos auf Kreta, die Vertreibung der Phönikier aus dem 
Aegäischen Meere, die Legenden vom Seezug der Pelasger nach Italien, die 
Mythen von der Kirke, den Sirenen, von der Skylla und Charybdis 
deuten einerseits auf maritime Thatkraft, andererseits auf häufige West- 
fahrten. Die beiden Halbinseln liegen einander ja so nahe: in wenigen 
Stunden konnte das Jonische Meer durchquert und in längerer Reise, aber 
in reiner Küstenfahrt, nach Nordwesten die Pomündung erreicht werden. 
Dem Import fremder Fabrikate folgte - bei den Bronzen viel 
langsamer als bei den Thongefäßen - die locale Nachbildung. Die 
Scheidung derselben von der Einfuhr ist nicht so leicht, wie bei den 
keramischen Producten, wo die Anwendung oder Nichtanwendung der 
Drehscheibe hierüber vollen Aufschluss gewährt. Um 700 v. Chr. müssen 
die Etrusker und ltaliker die Technik der getriebenen und genieteten 
Bronze erlernt und als eigenen Kunstzweig ausgeübt haben. 
Um diese Zeit, welche geschichtlich durch den großen Anlauf des 
griechischen Handels und der griechischen Colonisation nach Westen 
charakterisirt ist, in welcher namentlich die euböischen Städte: Chalkis, 
Eretria. Kyme, ihre Schiffe nach Sicilien und Italien sendeten - finden 
wir in Mittelitalien eine zweite Vorstufe im Bildungsprocess der etrus- 
kischen Kunst und Cultur durch den Inhalt der sogenannten ntombe 
a fossau, namentlich in Corneto-Tarquinia, wo diese Gräber auch schon 
regelmäßig Skelette enthalten, vertreten. Es ist keine durchaus neue 
Zeit, sondern im Grunde noch immer die alte Villanovastufe mit ihrem 
beschränkten Formenvorrath und ihrer geometrischen Decoration, in deren 
Schema jetzt nur in reichlicherem Maße ThierI-iguren, namentlich Reihen 
von Vogelfiguren, Aufnahme finden. Wir begegnen dem ersten Versuch 
einer schwarzen Keramik, die sich noch nicht von den Villanovatypen 
emancipirt hat, die sich aber später zu dem Kunstzweige der sogenannten 
wbuccheri neria entwickelt. Den großen Unterschied bildet der Auf- 
schwung des Importes, welcher das allgemeine Culturbild von 
Außen her mit einer Fülle von exotischen Zügen belebt. Da sind mehrere 
Classen bemalte: Drehscheibengefäße, zum Theil sicher griechischer Her- 
kunft, selbst schon korinthische Vasen, deren Blüthezeit bekanntlich um 
650 fällt; da blendet uns der Reichthum an großen Bronzestücken und 
anderen, meist kleinen, aber kostbaren Objecten aus Gold, Silber und 
Glasemail. Das Eisen ist noch selten, wohl deshalb, weil es selbst in 
jenen höher entwickelten, östlichen Culturkreisen, aus welchen jetzt 
getriebene Goldbleche und Goldspiralen, Skarabäen aus sogenanntem 
ägyptischen Porzellan mit wirklichen oder Phantasiehieroglyphen, email- 
lirte Glasperlen u. v. A. auf die italienischen Märkte strömte, eine merk- 
würdig geringe Rolle gespielt hat. Man neigt jetzt vielfach der Ansicht 
zu, diese Einfuhrsartikel alle auf Rechnung des griechischen Handels 
ZU SCIZCD. 
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