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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 6)

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tionen anzuknüpfen. Dieser Drang wird von Außen geweckt, aber er muss 
latent vorhanden sein. Bei den Terramarabauern bemerken wir nichts 
davon; desto mehr bei den Etruskern. Herkunft und Abstammung 
dieses Volkes sind in Dunkel gehüllt; doch ist es wahrscheinlich, gleich 
den Italikern, aus dem Norden nach Italien herabgestiegen und im 
n. Jahrhundert zuerst in Etrurien erschienen. Um diese Zeit enden die 
Terramaren und das Gebiet derselben verödet für Jahrhunderte. Es ist 
also wahrscheinlich, dass die Etrusker jenen großen Umschwung herbei- 
geführt haben, indem sie die Italiker aus ihren Wohnsitzen jfortrissen 
und mit ihnen, als ihr weltlicher und priesterlicher Adel, zuerst um Bo- 
logna, dann auch in Mittelitalien sich festsetzten. Nach Allem, was wir 
von der etruskischen Urzeit wissen, ist ihnen dies wohl zuzutrauen. Die 
Etrusker waren ursprünglich ein unstetes, abenteuerlustiges Volk, das 
unter kriegerischen Häuptlingen weite Landstriche durchzog, fremden 
Stämmen sein Herrscherjoch auflegte und sich von ihnen zinsen ließ. 
Unter den Auspicien der Etrusker gewinnt nun das italische Hand- 
werk alsbald ein anderes Antlitz. Wir treten aus den absolut prähisto- 
rischen Zeiträumen in relativ prähistorische Perioden ein. Mehr oder 
minder wohlbekannte geschichtliche Ereignisse und geschichtliche Zustände 
bestimmen den Gang der Entwicklung auch außerhalb der Erdräume, 
auf die sich die historischen Nachrichten beziehen. Wir nennen kurz die 
wichtigsten industriellen Faetoren, durch deren Aufnahme und ge- 
steigerte Werthschätzung sich die sogenannte Villa novastufe, d. i. die 
älteste Eisenzeit Italiens, von der Bronzeperiode der Terramaren unter- 
scheidet. Es sind dies: 
i. das sogenannte geometrische Ornament, zuerst auf Handels- 
waaren zur See eingeführt, dann mit großer Vorliebe in den verschie- 
densten Techniken und zur Decoration der verschiedensten Gegenstände 
verwendet; 
z. das Eisen, sehr zögernd aufgenommen, Gold und Silber, 
Glasperlen und Elfenbein, sowie Scarahäen; 
3. die Fibel als eigenes Erzeugniss, vorherrschender Luxusartikel 
und allgemein gebrauchter Gegenstand; 
4. getriebene und genietete Arbeiten in Bronzeblech (Ge- 
fäße, Rüstungsstücke u. dgl.); 
5. neue Thongefäßformen, die zum Theil auf bestimmte öst- 
liche Culturkreise (Hissarlik, Kypern, Kaukasus) hindeuten. 
Das ist gleichsam das Urgut der Villanovastufe. Manches Andere 
weist natürlich auf die verHossene Terramaracultur zurück; so die Sitte 
der Leichenverbrennung, eine gewisse Form der Schalenhenkel (die ansa 
lunata) und Anderes, was aber nicht von so großer Bedeutung ist, wie 
man vielfach glaubt. Diese Menschen hätten keine Menschen sein müssen, 
wenn sie nicht im Schatten ihrer Hausindustrie manches alte Erbgut 
an Formen und technischen Proceduren unbewusst behütet und bewahrt
	        

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