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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 7)

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kurze. Nach dürftigen Anfängen, von deren Spuren unsere kunstgewerb- 
liche Litteratur trotz der principiellen Wichtigkeit des Gegenstandes fast 
keine Notiz nimmt, hebt und vervollkommnet sie sich unter jenen Ver- 
hältnissen, welche das Bürgerthum zum einflussreichen, richtunggebenden 
Factor werden lassen und findet vor ihrem Erlöschen die letzte Herberge 
dort, wo sie zu den bescheidensten Diensten herangezogen wird. 
Außer der kurzandauernden Frist, zu welcher das Zinn auch eine 
selbständige Rolle spielen durfte, finden wir dieses Metall von uralter 
Zeit an bis in die Gegenwart vorzugsweise als ein wichtiges Hilfsmittel 
ungezählter Kunstübungen. Es ist so recht geeignet, durch seine Mitwirkung 
auf den mannigfaltigsten Gebieten Resultate exquisiter Art zu ermöglichen. 
Aber dieser Mitwirkung wird in der Regel keine besondere Beachtung ge- 
zollt. Die edle Bronze des classischen Alterthums ist ohne die Verwendung 
von Zinn nicht denkbar. Dem Zinn verdankt die als undurchsichtige weiße 
Fayenceglasur verwendete Schmelze sowie die meisten weißen oder sonst 
opak gefärbten Emaillen ihr speciflsches Aussehen. Zur Zeit als die Färber 
allenthalben noch dauerhafte, namentlich lichtechte Nuancen rother und 
gelber Farbe in verschiedenen Graden der Sättigung und Tiefe, vornehm- 
lich aber in leuchtenden feurigen Tönen herzustellen wussten, waren 
hiebei Zinnverbindungen in wässeriger Lösung, wie das zinnsaure Natron, 
heute noch unter der Bezeichnung Präparirsalz bekannt, oder das Zinn- 
chlorid, auch "Physiku geheißen, wichtige, ja unentbehrliche Mittel. Zur 
Erzeugung des in der keramischen, Glas- und Ernailrnalerei, sowie in der 
Glasfabrication verwendeten Cassius'schen Goldpurpurs wird gleichfalls 
ein Zinnpräparat in Anwendung gebracht. Das unter dem Namen Musiv- 
gold bekannte, wie jedes andere unechte Goldpulver zu verwendende 
chemische Product ist Zweifachschwefelzinn u. s. w. - Es wäre über- 
flüssig, die Reihe solcher Beispiele noch zu verlängern, da es sich hier 
nicht um eine Darstellung der Verwendbarkeit des Zinns überhaupt 
handelt, sondern um jene Fälle, in welchen es als solches, nur etwa mit 
einem unwesentlichen, oft sogar keineswegs vortheilhaften Zusatz eines 
anderen Metalls versehen, zur Verarbeitung gelangt. 
Fassen wir die bekannten Eigenschaften des Zinns näher in's 
Auge, so zeigt sich, dass dieselben sowohl hinsichtlich der technischen 
Verarbeitung dieses Metalles mannigfaltigeVortheile bieten, als auch auf das 
Aussehen der fertigen Objecte in günstigster Weise einwirken. Die leichte 
Schmelzbarkeit des Zinns -- es wird schon bei 228" C. flüssig - lässt 
seine Verarbeitung durch den Guss jeder anderen vorziehen, umsomehr 
als es sich hiebei mit großer Präcision jeder Form anschmiegt, also schöne 
scharfe Ausgüsse gibt, welche bei der verhältnissmäßig geringen Oxydir- 
barkeit des Zinns auch blank erscheinen und einer schießlichen Bearbeitung 
der Oberfläche durch Ciseliren nicht bedürfen. Der niedere Schmelzpunkt 
des Zinns gestattet auch die Verwendung einer großen Anzahl verschiedener 
Materien zur Herstellung der Gussformen. Es können solche aus Metall an-
	        

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