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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 8)

Verziert wurden die Zinnarbeiten durch Gravieren oder durch eine 
mehr oder minder reiche plastische Ausstattung, welche bei Stücken des 
späten 16. Jahrhunderts oft einen Grad von künstlerischer Vollendung 
erreichten, wie er nur bei den besten Leistungen der gleichzeitigen Gold- 
schmiedekunst aufzufinden ist. Der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts gehören 
auch geätzte Zinnarbeiten an, welche bei dem Umstande. dass das Zinn 
durch gewisse Säuren leicht angegriffen wird, sehr bequem auszuführen 
waren. Auf die Verzierung der Zinnarbeiten wurde überhaupt schon früh- 
zeitig viel Werth gelegt. Ein beredtes Zeugniss hiefür gibt eine Stelle aus 
dem Codex diplomalicus Moraviae vom Jahre 138713), nach welcher die 
glatte Arbeit der Brünner Zinngießer nach einer bestimmten Taxe zu 
entlohnen war, der Preis der verzierten jedoch oder der mit Schrift aus- 
gestatteten ohne Beschränkung dem freien Uebereinkommen vorbehalten 
blieb. Die Zinngravierungen zeigen oft die Anwendung eines besonderen 
Vorganges. Bei der Weiche des Metalls sinkt die scharfe Spitze des Stichels, 
wenn nicht sehr sorgfältig geführt, mit Leichtigkeit in den Grund. Dem 
auszuweichen, wurde und wird noch beim Zinngravieren häufig das Ver- 
fahren beobachtet, längere Linien in eine Reihe von mehr oder minder 
kurzen Stichen aufzulösen oder auch die Spitze eines meißelförmigen 
Stichels in wackelnder Bewegung über die Fläche zu führen, wodurch 
die bekannten feinen Zickzacklinien entstehen. 
Wie schon erwähnt, ermöglicht das Zinn, insbesondere mit einem 
geringen Zusatz von Blei, sehr scharfe Abgüsse, so dass auch der 
Charakter des Materials der Gussform deutlich zu Tage tritt. 
Aus Gypsformen gegossenes Zinn z. B. gibt sich durch die ent- 
sprechende Rauhigkeit und Unvollkommenheit seiner Oberfläche leicht 
zu erkennen. Die besten Abgüsse erzielt man aus scharf und glatt 
gearbeiteten Metallformen. Dieser Umstand erklärt es, dass die plastisch 
verzierten Zinnarheiten zugleich mit der fortschreitenden Kunst des 
Stempelschnittes sich vervollkomrnneten. Aus guten Metallformen konnten 
Das Zin mach ich im Feuwer lließn I 
Thu darnaeh in die Mödel gießn I 
Kandel I Flaschen I groß vnd auch klein I 
Darauß zu trinckcn Bier vnd Wein I 
SchülTel I Blatten I Täller I der maß I 
Schenck Kandel I Saltzfaß vnd Gießfaß I 
Ohlbüchßn I Leuchter vnd Schüsselring 
Vnd sonst ins Hnuß fast nütze ding. 
Eygenlliche Beschreibung Aller Stände autf Erden Huher vnd Nidriger Geistlicher vnd 
Weltlicher etc. Frankfurt a. M. 1568. Mit den Bildern von Jost Amman.) 
Ein ähnliches Inventar finden wir auch schon in desselben Autors Gedicht: Der 
gantz Huußrat I bey dreyhunderr Stücken I so vngefehrlich inn ein jedes Hauß gehöret. 
Nürnberg, 1553. 
") Erst in jüngster Zeit citirt bei Schirek in den i-Mittheilungen des Mähr. Ge- 
werbevereines in Brunnu.
	        

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