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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 9)

Trient und einige prächtige Miniaturen; auch Gemälde und Sculpturen 
fehlen nicht. 
So ist die Tiroler Ausstellung in der That eine Sehenswürdigkeit 
und sie gereicht in dem, was Vergangenheit und Gegenwart darbietet, 
dem Lande zur Ehre. Ganz Tirol betrachtet denn auch diese Aus- 
stellung als eine persönliche Angelegenheit. Was Industrie und Kunst- 
gewerhe anlangt, hat die Ausstellung, wie gesagt, alle Erwartungen über 
troffen; hoffentlich stiftet sie dem schönen Lande reichen Segen! 
Die antiken Gefäße mit Bleiglasur in der Archaeo- 
logischen Ausstellung. 
Von Dr. Karl Masner'). 
Jedem aufmerksamen Besucher der Archaeologischen Ausstellung 
muss in der Abtheilung der römischen Keramik eine Gruppe von Ge- 
fäßen in die Augen fallen, die ihn mit Recht wie unser gewöhnliches 
Töpfergeschirr anmuthen werden. Denn sie haben mit diesem das bezeich- 
nendste Merkmal gemein, den glasglänzenden, farbigen, durchsichtigen 
Ueberzug, den wir Bleiglasur zu benennen pflegen. Wir haben uns 
bemüht, möglichst viel Exemplare dieser Gattung zusammenzubringen, 
damit sie gewissermaßen aufdringlich an ihre Existenz erinnern und alle 
Jene bekehren, welche ihnen die Existenzberechtigung abstreitig machen 
wollen, indem sie an dem alten Dogma festhalten, dass die Keramik der 
Griechen und Römer die Bleiglasur nicht gekannt habe - ein lrrthum, 
dessen weite Verbreitung begreiflich ist, da er sich in unseren Hand- 
büchern fortschleppt oder zum mindesten nicht ausdrücklich bekämpft wird 
und der anderseits seine Erklärung darin findet, dass vor nicht langer Zeit 
die antiken Gefäße mit Bleiglasur noch Seltenheiten in unseren Museen 
oder nicht bedeutend und bezeichnend genug waren, um die Aufmerk- 
samkeit auf sich zu lenken. Noch in dem Neudrucke von Brongniarfs 
berlihmtem "Traite des arts ceramiquesw, t. I, p. 16, aus dem Jahre 1879 
heißt es: Il ne parait pas que dans les premiers siecles de Peglise les 
Romains fissent usage des fondants metalliques pour fixer et vitrifier les 
couverts. Unser unentbehrlicher Rathgeber in allen das Alterthurn be- 
trelTenden technischen Dingen, Blümneds nTerminologie und Technologie 
der antiken Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern u, II. Bd., p. 89, 
wiederholt im Jahre 1879 den Satz, dass die Bleiglasur eine Erfindung 
der Araber sei, welche im 12. Jahrhundert in Italien eindrang. Eine 
Wandlung in den herrschenden Anschauungen angebahnt zu haben, ist 
') Für freundliche Belehrung in allen diese Arbeit betreffenden chemisch-tech- 
nischen Frugen ist der Verfasser den Herren Prof. Linke und Prof. Macht zu beson- 
derem Danke verpflichtet.
	        

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