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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 9)

das Verdienst einer umfangreichen Abhandlung, welche H. Mazard unter 
dem Titel nDe la connaissance par les anciens des glacures plombiferesn 
im Musee Archäologique 1879, lle voL, p. 373 ff, veröffentlichte. Der 
erste Theil dieser Arbeit ist der Geschichte jener Technik gewidmet, der 
zweite enthält eine Beißige, aber schon seiner Zeit nicht vollständige Zu- 
sammenstellungpund Beschreibung des in den europäischen Museen be- 
tindlichen Materiales. Verständig erörtert wird das Thema, soweit es 
noch die griechische Keramik angeht, von Rayet-Collignon in dem Ca- 
pitel Les poteries vernissees et emaillees der v-Histoire de la ceramique 
grecqueu p. 365 ff. 
Der vorliegende Aufsatz will vor Allem die Gefäße mit Bfeiglasur in 
der Archaeologischen Ausstellung behandeln. Da aber der Verfasser glaubt, 
dass es manchen Leser dieser Zeitschrift interessiren wird, über den 
gegenwärtigen Stand einer Frage orientirt zu werden, die nicht nur für 
die antike Keramik von Wichtigkeit ist, zieht er es vor, nicht sofort in 
medias res zu gehen, sondern die Geschichte oder vielmehr die lange 
Vorgeschichte der Bleiglasur im classischen Alterthum aufzurollen. 
Bekanntlich hat schon die ägyptische Kunstindustrie von der Glasur 
weitgehenden Gebrauch gemacht. Wir finden sie an den mannigfaltigsten 
Gegenständen, Perlen, Amuletten, Scarabäen, Ringen, Gefäßen, Ziegeln 
und besonders den Todtenfiguren (uschebti). Als Material für die Her- 
stellung dieser Dinge diente hauptsächlich eine weiße, sandige, magere 
Erdsorte, der jede Bildsarnkeit gefehlt haben rnuss,_ so dass man sich zu 
der Frage versucht fühlt, ob dieser Stoff wirklich geformt, nicht ge- 
schnitten wurde. Die, wenn nicht in allen, so doch gewiss in vielen 
Fällen durch Dämpfe erzeugte Glasur ist eine alkalische, d. h. sie besteht 
aus einer Verbindung der sogenannten Alkalien Potasche oder Soda mit 
Sand und einem färbenden Metalloxyd. Eben dieselben Bestandtheile 
spielen aber auch in der Glasfabtication eine entscheidende Rolle. Glasa 
fabrication und Glasur gehen also aus einer und derselben Wurzel hervor. 
Wir erinnern uns, dass die Aegypter frühzeitig Meister in der Kunst der 
Glaserzeugung waren. Die Farben, welche die ägyptische nFayence-w 
kennt - diese Bezeichnung ist jedenfalls der gangbaren nägyptisches 
Porzellanu weit vorzuziehen - sind vor Allem ein lichtes Grün und das 
für alkalische Glasuren so bezeichnende leuchtende und satte Türkisblau, 
das erst im mittleren Reiche aufkam; seltener schon sind weiße, violette 
oder graue Töne. Das Regelmäßige und für die Massenfabrication be- 
quemste war, dass die Gegenstände einfärbig glasirt wurden; oft und 
namentlich in einer bestimmten Epoche, sind schwarze Ornamente oder 
Hieroglyphen eingelassen. Wie sehr man es aber bei feineren Arbeiten 
verstanden hat, eine gefällige Buntheit zu erzielen, zeigen uns -- um 
ein naheliegendes Beispiel anzuführen - die interessanten Ziegelfragmente 
mit den Relieffiguren von Gefangenen in den Sammlungen des Aller- 
höchsten Kaiserhauses. Die Funde, welche erst jüngst Flinders Petrie in
	        

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