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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 9)

glasur angewendet hat. Wir sind nun wohl zu dern Rückschiusse berech- 
tigt, dass dies auch für die frühere Zeit gilt. 
Gegenwärtig kann, meines Erachtens, kein Zweifel darüber obwalten, 
dass die im 6. Jahrhundert gegründete griechische Colonie Naukratis in 
Unterägypten der wichtigste Sitz jener Industrie war, welche die Nach- 
ahmung der ägyptischen Fayence in die Hand nahm. Aus den Resultaten 
der Ausgrabungen, welche Flinders Petrie in Naukratis veranstaltet hat, 
gewinnen wir ein anziehendes Bild von der dort blühenden Kunst. Sie 
war findig genug, zu Nutz und Frommen eines schwunghaften Export- 
handels den Aegyptern die Geheimnisse der Glas- und Fayencefabri- 
cation abzusehen. 
Mochten nun immerhin in archaischer Zeit Griechen die Zubereitung 
der ägyptischen Glasur verstanden haben, diese Kenntniss blieb eine local 
und auch wohl zeitlich beschränkte, da wir sie über das 6. Jahrhundert 
hinaus nicht verfolgen können. Um ihr eine weitergehende Verbreitung" 
zu verschaffen, fehlte es in Griechenland gleich an der ersten Vorbedin- 
gung, dem für die Aufnahme alkalischer Glasuren geeigneten Thon. 
Der griechischen Keramik der classischen Zeit war ein anderer, durchaus 
selbständiger Weg vorgeschrieben, auf welchem sie ihre Triumphe feiern 
sollte. Schon in der mykenischen Epoche war jener in seiner Zusammen- 
setzung bis jetzt noch nicht erkannte StoE erfunden worden, der, im 
kalten Zustande auf die Vase aufgetragen, derselben nach dem Brande 
als ein schwarzer, metallisch glänzender, überaus dünner Ueberzug 
anhaftet. Wir haben uns in unserer an lnconsequenzen und Ungenauig- 
keiten so reichen Terminologie gewöhnt, ihn als uVasenfirnissc zu bezeichnen, 
während er im chemisch-technischen Sinne doch viel eher zu den Glasuren 
gezählt werden müsste. Freilich nimmt er in der Stufenleiter derselben 
den untersten Platz ein; denn, wenn es zum Wesen einer Glasur gehört, 
dass sie die Porosität des Thons aufhebt, so erfüllt jener schwarze 
Ueberzug nur höchst unvollkommen dieses Postulat. In historisch-gene- 
tischem Sinne aber ist der Vasenfirniss überhaupt keine Glasur, in deco- 
rativer Hinsicht nur bedingt und erst in später Zeit. Er wurde nicht 
erfunden, um eine Decke der Gefäße zu bilden, sondern als ein Farb- 
und Malmittel, das vor den früher verwendeten den Vorzug der Dauer- 
haftigkeit voraus hatte. Man begnügte sich Jahrhunderte lang, mit ihm 
Ornamente und Figuren auf den Thongrund zu malen. Erst viel später 
kam man dazu, aus dem Gewohnenen auch eine andere Nutzanwendung 
zu ziehen, und versuchte den Firniss auch zur Gefäßdecke zu machen. 
Hiebei waren für die Keramik neben dem decorativen Moment, dem 
Gefallen an dem Glanze und der Tiefe des Firniss gewiss auch die 
praktischen Rücksicbten, aus denen eine Glasur zur Anwendung kommt, 
mitbestimmend, musste sie aber, wollte sie nicht auf den Figurenschmuck 
verzichten, auf halbem Wege stehen bleiben. Die Lösung des Problems, 
Malerei und Firnissdecke miteinander zu vereinen, konnte nur nach der
	        

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