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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 10)

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maske, die gewiss noch aus hellenistischer Zeit herrühren. Ausgeschlossen 
ist die Monopolisirungdes Industriezweiges von vornherein bei den Lampen, 
bei denen uns alle möglichen römischen Typen und zum Ueberfluss rö- 
mische Töpfersternpel begegnen. Und was die Gefäße betrifft, lässt sich 
dieMannigfaltigkeit der Formen und Ornamente, die Ungleichmäßigkeit 
im Materiale und der Technik befriedigend durch die Annahme erklären, 
dass wir nur zeitlich verschiedene Erzeugnisse eines und desselben Fabri- 
cationscentrums vor uns haben? Wer unsere kleine Ausstellung von gla- 
sirter Töpferwaare überblickt, wird leicht eine ganze Anzahl von Gefäßen 
aussondern, die sich durch plumpe, ungefüge Gestalt, groben Thon und 
dicke Glasur als provincielle Erzeugnisse zu erkennen geben. Wie weit 
stehen dieselben ab von jenen eleganten und zierlich geformten Bechern 
und Schalen, die, aus feinem Thon verfertigt, mit einer dünnen Glasur- 
schichte bedeckt und mit gefälligem Rankenwerk in Relief geschmückt, 
so deutlich den Geschmack der Hauptstadt oder eines hervorragenden 
griechischen Kunstcentrums offenbaren! Wir haben leider in unserer Aus- 
stellung kein derartiges Exemplar und können nur auf die Abbildungen 
in dem Aufsatze Mazard's hinweisen. Dafür aber befindet sich unter den 
provinciellen Arbeiten ein geradezu classisches Beispiel. Es ist dies der 
schon oben pag. 460 erwähnte, in Ö-Szöny gefundene Becher Nr. 66x 
(Eigenthum des Oesterr. Museums). Nicht nur die Form, die in plumper 
Weise einen Metallbecher copirt, die dicke Glasur und der schlechte Thon, 
sondern auch die Decoration sagen uns, dass der Töpfer, der dieses Stück 
verfertigte, in der Provinz ansässig war, wo er sich für gewöhnlich an 
der Herstellung des einfachsten Gebrauchsgeschirres genügen ließ, ein 
Gefäß wie dieses für ihn schon eine Meisterleistung bedeutete. Auf der 
Außenseite sind unter einem Streifen von eingedrlickten, ineinander- 
gestellten Haken Reliefs aus Stempeln aufgelegt. Zunächst eine umlau- 
fende Guirlande, auf der Vögel sitzen, darunter ein Fries mit Götter- 
gestalten; wir finden Mercur, Mars, Minerva, Hercules im Kampfe mit 
dem Löwen, Victoria und dreimal eine nackte mit gekreuzten Beinen bei 
einem Pfeiler stehende Figur, bei der man an Dionysos oder Aphrodite 
zu denken hat. Ist es nun schon ein Zeichen arger Sorglosigkeit, wenn 
mitten unter die Götter ein Hirsch gesetzt ist, so verräth sich die 
höchste technische Unbehilflichkeit darin, dass die Figuren nicht auf 
gleichem Niveau stehen, indem die Hand, als beim Auftragen der Reliefs 
der Becher gedreht wurde, die Richtung verlor. 
Wie nicht anders zu erwarten ist, stehen unter den in Oesterreich 
gefundenen glasirten Gefäßen die von Aquileja am höchsten durch Ge- 
fälligkeit der Formen und der Decoration, Feinheit der Technik und vor- 
zügliches Material. Wir führen an das hübsche mit Hermen und Guirlanden 
verzierte Kännchen Nr. 634, die Aschenurne 633, die schon durch ihre 
Größe zu den bedeutendsten glasirten Gefäßen gehört, (die Schale 641, 
und erinnern wieder an das auf p. 459 genannte Rhyton im Museum zu
	        

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