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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 3)

Sphinxen, die durch antikisirendes Rankenwerk verbunden sind; diesen 
entsprechen in der oberen Hälfte ebenso viele frisch bewegte Putten, 
welche Fruchtgehänge tragen. Ueber den Biegungen derselben heben 
sich weibliche Masken energisch vom Hintergrunde ab. An diesem 
wundervollen Werke ist der Einfluss des Reliefschrnuckes der antiken 
Ruinen unverkennbar. Plötzlich gewinnt der feine, liebenswürdige Flo- 
.rentiner ungewöhnliche Kraft und Energie des Ausdrucks. Die lebendige 
Naturempfindung geht dabei nicht verloren, aber das Studium der Alten 
verleiht ihm einen Muth der Sprache, wodurch sein Werk sich bereits 
den Schöpfungen der Hochrenaissance nähert '). 
Zu reifster Schönheit entwickelt sich Minos Pfianzenreichthum an 
zwei Marmor-Tabernakeln, von denen einer in Santa Maria Trastevere, 
der andere in Santa Croce sich befinden. Alles weiß er hier in blühendes 
Leben zu verwandeln und bleibt dennoch in den Grenzen reinster Sti- 
listik. Hier sowohl wie bei anderen römischen Arbeiten, wie dem Grab- 
monumente des Bischofs Alano in S. Prasede und dem des Bartolomeo 
Roverella in S. Clemente greift Mino wieder auf die zarte, delicate 
Florentiner Weise zurück, ohne jedoch den Einfluss antik-römischer 
Decorationskunst zu verleugnen. So findet sich z. B. an dem Grabmonu- 
mente des Bischofs Alano ein interessantes Detail, das direct auf solchen 
Einfluss hinweist und meines Wissens bisher unbeachtet geblieben ist. 
Wir sehen daselbst am Sarkophage den Apex, die Priestermütze der 
Salier, und zwar in ganz derselben Weise und Zusammenstellung mit 
Fruchtgehängen wie wir sie unter Anderen in der Vorhalle des Pantheons 
heute noch erblicken. 
Einen überaus anmuthigen Pilasterschmuck, hauptsächlich aus Eichen- 
zweigen gebildet, erfindet Mino für das Grab des Cristoforo della Rovere 
in S. Maria del Popolo". Eines der reizendsten Beispiele für die tiefe 
Durchdringung von Naturstudium und Nachbildung der Antike auf dem 
Gebiete der Decoration. 
Wir haben hier gleichsam einen Canon für freie Erfindungen inner- 
halb stilistischer Gesetze vor uns. Wie ein lebendiger Organismus ent- 
wickelt sich hier das Ornament und dennoch ganz und gar nach eigenen, 
der Natur nachempfundenen, aber nicht nachgeahmten Gesetzen. - Ebenso 
weiß Desiderio den Bogenfries dieses Denkmals anmuthig und originell 
zu gestalten. Er schmückt ihn mit Masken und Palmetten, belebt ihn 
aber durch dazwischen gesteckte Eichenzweige, ein Motiv, wozu ihm 
Name und Wappen des Cardinals Anlass geben. Trotz dieses natura- 
listischen Motivs herrscht dennoch mit den stilistischen Formen volle 
Harmonie. 
Zu weiterer glänzender Entwicklung steigert sich die florentinische 
Decorationskunst in den Werken des Benedetto da Majano. Ich müsste 
') Vergl. hier und im Folgenden H. Semperr Hervorragende Bildhauer-Architekten 
der Renaissance. 
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