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Full text: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

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Paris waren Purgold 
und sein Nachfolger 
Trautz (Trautz- 
Bauzonnet) Mit- 
beleber des guten 
alten Bindens, in 
London der Deutsch- 
böhme Zähnsdorf 
(T1886), dessen Sohn 
Josef W. (in Shaftes- 
bury Avenue, dem 
einstigen Lokale des 
berühmten Binders 
Roger Payne) das 
Geschäft fortsetzt. 
(Auch Georg Collin 
in Berlin ist ein 
Schüler Zähnsdorfs.) 
Und am deutschen 
Lederschnitt hat der 
französische sich ge- 
bildet. Man erinnere 
sich an ein Kapital- 
stück wie Gustav 
Karl Beitel, Wien, Pergament Fritzsche's Band- 
rücken aus ge- 
schnittenem Leder (I8g7), diese I6 Meter lange Reihe von geschnittenen 
Reliefszenen aus der Geschichte der Buchdruckerei. Bei G. Hulbe in Ham- 
burg sah sich Saint-Andre die Technik an, welche in früheren Jahrhunderten 
an Sessellehnen und Sätteln so virtuos geübt worden. Den Lederschnitt, der 
von der Oberfläche her in die Dicke des Leders arbeitet, und das Treiben, 
das beide Seiten in Mitleidenschaft zieht. Dazu all die Mithilfe der Punzen 
und Säuren. In Deutschland wird diese Arbeit virtuos betrieben; auch von 
Collin in Berlin und Weinzierl in München. InWien ist man zurück; die „regret- 
tables objets viennois", sagt Belville etwas übertrieben, „lackiert wie die 
Hüte der Totenansager, könnten ebenso gut aus Holz oder Zink sein". In 
Paris ist das Haus Gruel darin besonders stark. Saint-Andre trat mit seinen 
Arbeiten auf der Weltausstellung 1900 hervor. Er hat die energische deutsche 
Hand, die sich auch noch maschinell stärkt, gemildert und sich neue Werkzeuge 
und Säuren erfunden. Der zierliche Realismus seiner Naturstudien verschmilzt 
auf das glücklichste mit dem koloristischen Element des präparierten Leders. 
Dieses moderne cuir bouilli möchte er auch seinen Landsmänninnen ans Herz 
legen. Warum nicht? In England ist der Bucheinband in vielen weiblichen 
Händen. Die Guild ofWomen Bookbinders allein stellt schon ihren Mann. Von 

	        
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