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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 3)

Für die Praxis nun können wir drei allgemeine Grundsätze fest- 
stellen: r. Wo keine traditionelle oder officiel kirchliche Bestimmung 
nachgewiesen werden kann, ist der Künstler "freie. z. Erscheint eine 
solche Vorschrift unsicher oder irgend ein Zweifel berechtigt, gilt das 
inquirendum est, d. h. es ist in den oben angeführten Werken und den 
Zusammenstellungen solcher Entscheidungen nachzuforschen oder es soll 
bei der entsprechenden kirchlichen Autorität angefragt werden; bleibt 
der Zweifel, so ist der Künstler frei - erkennt man aber, dass nicht 
förmliche Gesetze, sondern nur der Geist anderer, verwandter Vorschriften, 
Dies oder Jenes wünschenswertb erscheinen lassen, dürfte es der Künstler- 
natur wohl nicht schwer fallen, dem Geiste sich zu fügen. 3. Besteht 
aber irgend wofür eine autoritative Norm, sei es nun aus geschriebenen 
oder ungeschriebenen Quellen, so ist diese im richtigen, liturgischen und 
historischen Versländniss genau zu beachten. Nur zwingende Gründe 
können auch hier, wenn in der Entscheidung nicht ausdrücklich das 
Gegentheil gesagt ist, eine Ausnahme gestatten, wie z. B. von der tradi- 
tionellen Orientirung eines Kirchenbaues mit dem Altare nach Sonnen- 
aufgang, Abstand genommen wird, wenn der dafür vorhandene Bauplatz 
es verlangt. ' (Schluss folgt.) 
Ueber den Einfluss der Naturliebe auf die Entwicke- 
lung des Florentiner Reliefornamentes im 15. Jahrh. 
Von los. Folnesics. 
(Fortsetzung und Schluss.) 
ln den Umrahmungen von Lunetten und Medaillons mit Madonnen- 
darstellungen ist die Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit ein beliebtes 
Decorationsmotiv; mit Rosen abwechselnd umkränzt sie das Tympanon 
Luca's ober der Kirchenpforte von San Pierino, und ganz besonders 
wirksam ist sie verwerthet in dem prächtigen Halbkranz, der die Ma- 
donnenlunette in der Via dell'Agnolo umgibt. Hier wie dort zeigt sich 
noch das Streben, in der Anordnung eine gewisse Symmetrie einzuhalten 
und blos im Detail volle Freiheit walten zu lassen. Dagegen bemerken 
wir an Luca's Medaillon mit dem Wappen des Königs" Rene im South 
Kensington-Museum, das vermuthlich vom Jahre 1453 stammt, bereits 
ein Hinneigen zu üppiger Fülle und malerischer Unregelmäßigkeit in 
der Anordnung des Kranzes, wie es von nun an Regel wurde. 
Luca's Neffe, Andrea, hält im Allgemeinen an den Traditionen seines 
Lehrers fest. Die symmetrische Anordnung der Früchte und Blumen 
hatte schon Luca in seinen späteren Arbeiten aufgegeben; Andrea lässt 
nun auch gelegentlich die feste architektonische Umrahmung des Kranzes 
bei Seite und legt denselben ohne sichtbares Gerüst um sein Relief. 
Merkwürdig genug finden wir in solchen Fällen, gleichsam als Rudera 
einstiger Architektur, akroterienartig angebrachte Palmetten, die ganz 
unvermittelt auf dem naturalistischen Kranze aufsitzen.
	        

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