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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 4)

Erscheinen dieses Vorbilderheftes gerade um seines Textes willen mit einiger 
Spannung entgegengesehen; denn wenn auch Einzelne, insbesondere einige 
englische Reisende, dem Herausgeber vielleicht an Uebersicht des Materials 
auf Grund von Autopsie überlegen sein mögen, so vereinigt dafür Julius 
Lessing mit den Voraussetzungen eines praktischen Kenners zugleich die- 
ienigen des wissenschaftlichen Beobachters, wodurch allein die Möglich- 
keit eines tieferen Eindringens in diesen erfahrungsgemäß so spröden 
Gegenstand gewährleistet erscheint. Das vorliegende Vorbilderheft Nr. 13 
fordert daher von doppelter Seite her unser Interesse: einmal als Vor- 
lagewerk im engeren Sinne und zweitens als eine Enunciation der Er- 
gebnisse von Lessing's Forschungen auf diesem Gebiete. 
Schon vom ersteren Gesichtspunkte aus verdient das Werk dankbare 
Anerkennung; keine der wenigen bis zum J. 189i erschienenen- sei es ge- 
legentlichen, sei es speciell diesem Gegenstande gewidmeten-Publicationen 
älterer orientalischer Teppiche darf sich einer so weitgehenden Vereinigung 
der beiden größten Tugenden berühmen, die von einem solchen Werke 
gefordert werden müssen: der facsimilehaften Treue der Reprodution als 
Substrat für die wissenschaftliche Forschung, und der gewissermaßen 
plastischen Klarheit und Bestimmtheit der einzelnen Details als einer 
unumgänglichen Voraussetzung für die Benutzung durch den Zeichner oder 
ausführenden Handwerker. Da die natürliche Erscheinung immer ein 
starkes malerisches Element an sich trägt, scheinen die beiden genannten 
Anforderungen bis zu einem gewissen Grade einander auszuschließen; 
um S0 größer ist das Verdienst desjenigen, der es verstanden hat, die- 
selben soweit auszugleichen, dass der kunstgewerbliche Arbeiter wie der 
wissenschaftliche Forscher einen gleich wesentlichen Nutzen aus der Publi- 
cation zu ziehen vermögen. 
Aber wie schon angedeutet hat sich Lessing bei der Hinausgabe 
dieses Vorbilderheftes nicht darauf beschränkt, den Tafeln wie bisher blos 
einen ganz knapp gehaltenen descriptiven Text von einigen wenigen Zeilen 
beizugeben. Es wäre dies einmal schon sozusagen physisch schwer durch- 
zuführen gewesen: wir besassen bis zum Jahre 1891 noch keine typischen 
Beschreibungen von orientalischen Teppichen, ausgenommen von ienen 
regelmäßig geometrisch gemusterten, die den Gegenstand von Lessing's 
früherer Publication (altorientalische Teppichmuster 1877) gebildet haben. 
Für die Details auf älteren persischen Teppichen eine Terminologie zu 
schaffen, ist man jetzt erst am Werke, und jeder diesbezügliche Versuch 
muss vorläufig als ein Vorschlag betrachtet werden, dem man sofort eine 
mehr oder minder ausführliche Rechtfertigung beizugeben hat. Andererseits 
mochte aber Lessing noch einen besonderen Grund gehabt haben, seine 
so gewichtige Meinung über diesen Gegenstand im gegenwärtigen Momente 
kund werden zu lassen; sind doch die mannigfachen damit zusammen-- 
hängenden Fragen gerade in letzter Zeit wieder stark in Discussion gerückt 
worden, woraus für einen anerkannten Fachmann auf diesem Gebiete von 
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