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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 5)

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begegnet. Die Ornamente sind also entweder geometrischer oder vegeta- 
bilischer Natur; in Bezug auf die Vertheilung der Ornamente über die 
Fläche herrscht große Verschiedenheit. 
(Schluss folgt.) 
Eine Truhe aus kursächsischem Besitze im Oesterr. 
Museum. 
Von Herrn. Herdtle. 
Das k. k. Oesterr. Museum ist seit geraumer Zeit im Besitze einer 
reich mit lntarsien verzierten Truhe der deutschen Renaissance, welche 
außer der Profilirung des Deckels keinerlei architektonische Gliederung 
zeigt. Die Dimensionen dieser Truhe sind folgende: Höhe 46 Centimeter, 
Länge 75 Centimeter, Breite 49 Centimeter. Die beiden Seitenwände und 
der Deckel enthalten arabeskenartiges Ornament im Stile des Peter Flötner 
und Virgil Solis. Die Vorderseite dagegen ist mit eingelegten bunten Blatt- 
ranken verziert, der untere Theil derselben zeigt außerdem noch zwei 
symmetrisch angeordnete, von Kartuschen eingerahrnte ovale Felder. 
In diesen beiden Feldern befinden sich jetzt zweil mit Oelfatbe auf- 
gemalte Wappen, laut Inschrift diejenigen der Familien Wutnaw und 
Lattorf und datirt vom Jahre t639. 
Im Vergleiche zu den umrahmenden Kartuschen und den die letz- 
teren umgebenden polychromen lntarsiaranken erscheinen die aufgemalten 
Wappen vollständig aus dem Maßstabe gefallen, sie sind nämlich viel 
zu klein. 
Gelegentlich der Aufnahme dieser Truhe zu Studienzwecken an 
meiner Fachschule gab dieser Umstand in Verbindung mit der auffal- 
lenden Combination von lntarsiaarbeit und Oelmalerei Veranlassung, der 
Sache weiter nachzuforsc-hen und es konnte durch Sprünge in der Farb- 
schicht, welche theilweise ganze Linienzüge verfolgen ließen, constatirt 
werden, dass sich unter der Oelmalerei ebenfalls lntarsien befinden. 
Die Sprünge erwiesen sich als die Fugen der eingelegten Holzstücke. 
Nach längeren Untersuchungen wurde denn auch herausgefunden, 
dass der rechte Wappenschild die beiden gekreuzten Schwerter und den 
quergetheilten Schild mit Rautenkranz des kursächsischen Wappens 
enthält, während der linke drei rechtsschreitende Löwen auf mit Herzen 
bestreutem Grunde, das alte Wappen von Dänemark, zeigt. Die Kar- 
tusche dieses letzteren Schildes trägt auch, abweichend von der im 
Uebrigen symmetrisch gebildeten des sächsischen Schildes, eine Krone in 
Intarsia. 
So erweist sich denn unsere Truheunverkennbar als 
ein ursprünglich aus kurssächsischem Besitze stammendes 
Kunstwerk.
	        

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