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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 7)

gaerde (1- ca. x66o), der Amsterdamer Peter Schenk') (1680) und der 
Utrechter Hercules Zeghers, welche zuerst die gestochene oder geätzte 
Kupferplatte selbst mit verschiedenen Farben bemalten und dann von 
derselben das Bild mit all' seinen Farben auf einmal auf Papier, even- 
tuell - wie bei Zeghers' ausgestellten Landschaften ersichtlich ist -- auf 
Leinwand abdruckten. Aber diese Arbeiten gediehen zunächst nicht weit 
über das Stadium der Versuche, und sind wohl von historischem, aber 
nicht von künstlerischem Interesse, weil ihre Abdrücke wenig Farben- 
übergänge zeigen, sondern in den bunten Stellen immer nur die betref- 
fende auf der Kupferplatte aufgetragene eintonige Farbe. Noch {weniger 
Werth vom Standpunkte der Kunsttechnik dürfen selbstverständlich jene 
Blätter beanspruchen, welche uns einen gewöhnlichen Kupferstich einfach 
mit Aquarell- oder Oelfarben übermalt darstellen; dieselben sind von 
unserer heutigen Betrachtung geradezu ausgeschlossen. 
Es handelte sich also zunächst darum, ein Verfahren zu linden, 
welches statt greller, gleichwerthiger Farbenliecke nebeneinander auch 
die verschiedenen Farbenübergänge und -Töne der Gemälde in den Ab- 
drücken wiederzugeben vermag, und diese Erfindung machte Jacques 
Christoph Le Blon (geb. 1670), ein Frankfurter, welcher aber den 
größten Theil seines Lebens außerhalb seiner Heimat zubrachte und 
174i in Paris starb. Er war seines Zeichens eigentlich Maler und studirte 
eine Zeit lang unter Carlo Maratta in Rom; er war aber auch mit einer 
ausgiebigen Dosis von Unstetigkeit und Missgeschick ausgestattet und 
scheint nach einigen Versuchen im Kupferstich seine Erfindung des far- 
bigen Kupferdruckes im Jahre 1710 in Amsterdam gemacht zu haben, wo 
er sich seit 1704 niedergelassen hatte. Dieselbe zu verwerthen übersiedelte 
er nach London, wo er seit 1721 verschiedene Blätter, zum Theil im Ver- 
losungswege, herausgab. Obwohl die Gewinner nicht besonders entzückt 
gewesen sein sollen, was wir nach manchem seiner ausgestellten Blätter 
begreifen, so wusste Le Blon doch für eine neue Publication, nämlich 
eine vollständige Anatomie nach Choffard in iz großen Tafeln so ge- 
schickt Reclame zu machen, dass er binnen Kurzem angeblich 2000 Sub- 
scribenten zu 15 Pfd. Sterling auftrieb. Aber das ganze Unternehmen 
scheiterte doch wieder, sowie auch seine Tapeten- und Kattundruckerei, 
und er fand es für gut, seinen Wohnsitz 1735 nach Paris zu verlegen, 
wo er zunächst durch eine Madonna nach Maratta und einige andere 
Blätter großes Aufsehen erregte. Nachdem er sich verpflichtet hatte, nur 
unter Aufsicht einer königlichen Commission stechen und drucken zu 
lassen, erhielt er im Jahre 1737 und neuerdings 1740 ausschließliche 
königliche Privilegien für seine Kunstübung, die er jedoch nicht aus! 
nützen konnte, weil er im nächsten Jahre bereits starb. 
Worin bestand nun Le Blon's Geheimniss? 
') Eigentlich geboren zu Elbzrfnld um 1645, geslorben zu Amsterdam um 1715.
	        

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