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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 8)

In einer Beziehung allerdings halte ich die bukowinischen Teppiche 
für verbesserungsfähig, auch unter unangetasteter Beibehaltung des tradi- 
tionellen I-Iausfleißsystemes. Ich meine die Spalten in der Textur, bei 
deren Olfenlassen nach orientalischer und südslavischer Weise der künst- 
lerische Charakter nur gewinnen könnte. Versuche nach dieser Richtung 
wurden, wie die Ausstellung lehrte, schon gemacht. Es waren da nämlich 
Nachahmungen von südslavischen Kilims zu sehen. Ob damit eine bewusste 
Versuchsabsicht nach der angedeuteten Richtung verbunden war, weiß 
ich nicht und glaube ich sogar nicht; das Einel scheint aber daraus 
hervorzugehen, dass die Sache den Bäuerinnen, die den betreffenden 
Teppich copirt haben, keine Schwierigkeit gemacht hat, da die Copie_ 
ganz gut gelungen war. Aber wie schon gesagt, ich möchte doch lieber 
noch die verwässerten Contouren mit in den Kauf nehmen, als dass den 
Bäuerinnen etwas zugemuthet würde, was sie mit Unlust ergreifen und 
von dessen Ersprießlichkeit sie sich nicht selbst sofort überzeugen, was 
bekanntlich beim Landvolk immer und überall seine mitunter unübersteig- 
baren Schwierigkeiten hat. 
Nur in einem Punkte ist die Qualität des bukowinischen Teppichs 
in neuerer Zeit in heunruhigender Weise zurückgegangen: in der Farbe. Es 
ist dies derselbe Punkt, der die podolische Kilimwirkerei so reform- 
bedürftig gemacht hat und der selbst in der orientalischen Teppich- 
knüpferei eine wenngleich bisher nur episodische Verwüstung angerichtet 
hat. Die Ursachen hiefür sind bekannt; eine Umkehr von den chemisch 
bereiteten Farben zu den Kräuterrecepten der früheren Zeit scheint aus 
wirthschaftlichen und anderen Gründen unmöglich. Auch der bukowinische 
Teppichweber kauft jetzt um billiges Geld das Material zum Färben der 
Wolle beim Händler, anstatt sich dasselbe mit großer Mühe selbst zu 
bereiten. Nun ist übereinstimmenderrnaßen überall die Einführung der 
chemischem Farben von einem zunehmenden Verfall des Farbensinnes 
begleitet gewesen. Die rumänische Bäuerin, die ihre I-Iemdverzierungen in 
so wohlthuender Farbenstimmung zusammenzustellen weiß, scheint kein 
Auge zu besitzen für die harten Contraste, die sie in ihre Teppiche wirkt. 
Das Baumwollengarn lässt eben selbst die chemischen Farben auf dem 
weißen Leinengrunde viel milder erscheinen .als die tiefleuchtende Wolle, 
wo Farbe neben Farbe am Teppich unmittelbar nebeneinandersteht. Immer 
unerfreulicher wurde im Laufe der letzten Jahre der Eindruck, den die mit 
also zubereiteten Farben "gearbeiteten Teppiche gewährten. Einsichtige 
Männer und Frauen glaubten dem nicht länger mit verschränkten Armen zu- 
sehen zu dürfen und begannen auf Mittel zur Abhilfe zu sinnen. Vor Allem 
schien da eine Institution berufen einzugreifen, die ja eigens begründet 
worden ist, urn die Interessen des Kunstgewerbes in der Bukowina 
an allen der Stütze bedürftigen Punkten zu fördern und wahrzu- 
nehmen: das bukowinische Gewerbemuseum. Dieses hat denn auch die 
Initiative übernommen und für's Erste einmal den Versuch gemacht, durch
	        

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