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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892 / 10)

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bestimmt, sehen wir nach denselben Prinzipien durch die Arbeit des 
Hammers entstehen wie einen Kelchfuß mit seinem Knauf. Letzterer 
stellt den Bauch der Kanne vor, wenn er, mächtig ausgeweitet, nach 
unten gekehrt sich zeigt. Der Kelchfuß aber, wenn schlank aufgezogen 
und gedehnt, kann als Hals der Kanne gelten. Henkel und Schnabel 
werden für sich gegossen und angelöthet. Das Ganze ist reich verziert 
mit getriebener Arbeit, mit Vergoldung und Niello. Für bescheidene Aus- 
stattungen genügen auch Ampullen aus Zinn. Ihre geraden Ausguss- 
schnlibel werden gar einfach mit Benützung eines hölzernen Rohres als 
Gussform (die wSeeleu ist ein mit Thon bestrichener Eisenstift) erzeugt. 
Zu den Gegenständen der Kircheneinrichtung, welche wir nachein- 
ander besehen, gehört auch der Seihlöffel. Wir finden denselben aus 
Gold und aus Silber angefertigt vor; das fein durchlöcherte Becken des 
Seihers ist etwa von dem Durchmesser einer hohlen Hand. Der Stiel 
aus Edelmetall, eine Elle lang und daumenbreit, zeigt an beiden Enden 
je einen gegossenen und fein ciselirten Löwenkopf; einer davon hält in 
seinem Rachen die Schale des Colatoriums, der zweite einen zur Hand- 
habung geeigneten Ring. Der Stiel ist wieder nach dem oben angedeu- 
teten Principe intermittirend mit niellirten Ornamenten, dann aber auch 
mit plastischen (gegossenen) oder gepunzten Verzierungen und mit Schrift- 
zeilen ausgestattet. 
Den größten Aufwand an mühevoller Arbeit, an technischem Scharf- 
sinn, zuweilen aber auch an lkostbarem Material erfordern die ihrem 
Wesen nach doch als verhältnissmäßig untergeordnet zu betrachtenden 
Rauchfässer. Wie die complicirte Arbeit des Treibens eines solchen 
Thuribulums, dessen Deckel in etagenweiser Anordnung eine Gruppe 
von Thllrmchen zeigt, versehen mit Zierformen und gegossener figuraler 
Zuthat, so ist auch die Herstellung eines solchen Stückes durch Gießen 
allein, insbesondere die Anfertigung der Gussform, zu dem Schwierigsten 
zu rechnen, was die mittelalterliche Klosterwerkstätte hervorbringen kann. 
Mit der größten Sorgfalt bildet Theophilus den Thonkern des wverlorenenu 
Wachsmndells seines Rauchfasses, gewissermaßen das Thonmodell für 
den Hohlraum des Gefäßes und für den des Deckels. Und wie unglaublich 
primitiv sind die hiezu erforderlichen Vorrichtungen! Aermlicher noch 
als der am Rande eines Gemäuers angebrachte Drehapparat eines Cairoten, 
der dabei hockeud das zu bearbeitende Stück mit den Zehen gegen die 
Spindel drückt, welche der Fiedelbogen schnurrend bewegt. Theophilus' 
Drechselgeräth, welches ihm zur Anfertigung des gedachten Gusskernes ' 
in seiner Grundform dient, ist nichts weiter als ein von einem Knaben 
vermittelst einer Kurbel gedrehter vierkantiger Spieß. Daran stecken zwei 
Thonklumpen, der eine für das Gefäß, der andere für den Deckel des 
Thuribulums bestimmt. Drehrund werden zunächst beide Stücke bear- 
beitet, der Theil des Deckels nach oben zu in dreifacher Stufenanordnung 
sich verilingend. ln systematischer Weise werden sodann keilförmige 
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