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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 7)

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Glasur, in's Scharffeuer zu verlegen, musste der Blick von unserer selb- 
ständig so hoch entwickelten europäischen Porzellankunst immer wieder 
auf den Orient, den Ausgangspunkt des Porzellans, zurückfallen. 
Schon in den frühesten Zeiten brachte die chinesische Keramkunst 
Porzellane mit Farbglasuren, deren Herstellung der europäischen Technik 
nicht wohl gelingen wollte, - so namentlich die berühmten seladon- 
grünen und rothen Glasuren. 
An der apparten charakteristischen Erscheinung der bemalten chine- 
sischen Porzellane ist ferner nicht blos das künstlerische Moment betheiligt, 
technische Unterschiede machen sich da auch geltend: die Farben an den- 
selben sind großentheils nicht gleichen Charakters mit unseren Muffel- 
farben, es sind Ernaile, dick, pastüs aufliegende, vielfach durchsichtige 
Farbgläser, durch und durch mit gelöstem Oxyd gefärbt, von satten 
Tönen, hohem Schmelz, wenn auch nur oberflächlich fixirt, doch in 
Glanz und Schimmer einheitlich mit der Glasur zusammengehend, deco- 
rativ unsere MuHelfarben weit überragend. s 
Die Nachbildung derselben auf unserem Porzellankörper wollte gleich- 
falls nicht gelingen, und es war wieder den Forschern von Sevres vor- 
behalten, den Grund dieser eigenthümlichen Verschiedenheit zu ermitteln. 
Es stellte sich heraus, dass die chinesischen Porzellane viel weich- 
flüssiger seien, weit geringerer Brenntemperaturen zu ihrer Fertigstellung 
bedürfen: Stücke chinesischen Porzellans in die Brennöfen von Sevres 
gestellt, schmolzen zusammen, deformirten sich gänzlich. Die Masse erwies 
sich aus zahlreichen Analysen thonärmer, kiesel- und flussmittelreicher; 
die Glasur demzufolge auch leichtflüssiger, Färbungen entwickelnd, die 
in höherem Feuer nicht möglich sind, Emails tragend, die auf anderer 
Unterlage reißen, abschuppen. Die Folge dieser Erkenntniss war das 
Streben, auch in Sevres solche Massen a la Chine herzustellen. 
Die ersten Versuche rühren von Salvetat aus den Fünfziger Jahren 
her; er brachte es zu einigen gelungenen Probestücken, die das Museum 
von Sevres noch aufbewahrt, und konnte daran zeigen, dass die Voraus- 
setzungen richtig, auf solchen Massen Emaile und Glasurfärbungen a la 
Chine möglich seien. Aber technische Schwierigkeiten, die wohl ihren 
Hauptgrund in dem verschiedenen Charakter der chinesischen Rohmate- 
rialien haben, ließen die Sache über diese Versuche nicht hinausgelangen, 
und erst der neuesten Zeit, den Bemühungen von Lauth und seinen Mit- 
arbeitern war es vorbehalten, da total umgestaltend zu wirken. 
Das lang und heiß ersehnte Ziel ist endlich erreicht in der nNou- 
velle poreelainen, wie man in Sevres das Product getauft hat. 
Mit dieser neuen Masse ist alles ermöglicht, was man nur er- 
sehnen konnte. 
Die Glasuren des wNeuen Porzellans-x sind so gefügig für Farbe 
und Decorationstechnik, die Techniker und Künstler von Sevres wussten 
die Chancen so vortreülich auszunützen, dass alle Welt staunend den
	        

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