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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 7)

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Farben verursachte -- hier Alles durchwegs klar, rein im Tone von den 
tiefsten sattesten Farben, wie sie in Hartglasur nicht möglich waren, bis 
zu den zartesten, so zu sagen nur mit einem Hauche von Farbe ver- 
sehenen Glasuren. 
Eine solche, nur schwach grünlich angehauchte Glasur kam be- 
sonders reizend an plastischen Werken, kleinen Statuetten in der Sevres- 
Ausstellung zur Geltung: Aus den Falten und Tiefen mit etwas kräf- 
tigerem Farbtone wirkend, weil dicker sitzend als an den Höhen, unter- 
stützte sie Licht- und Schattenwirkung, erhöhte die Plastik des Kunst- 
werkes, ohne die Modellirung irgend zu verkleistern, - nichts, wie eine 
zarte Farblichtfluth, die das Bildwerk umhlillte und angenehm tönte. 
Welch' ein Gegensatz zu den mit brauner Schmiere überwischten 
Porzellanstatuetten, die neuester Zeit so massenhaft auf den Markt ge- 
worfen werden und den Eindruck alten Elfenbeins machen sollen. Schade 
um das schöne Porzellanmaterial, das durch diese nPatinaschmiereu so 
verunziert wird. 
In der Päte nouvelle ließen sich in Sevres nicht nur alle früher in 
Hartporzellan geübten und beliebten Massefärbungen. der Pate sur päte- 
Technik wiederholen und so zeigen, dass die neue Masse in allen Fällen 
und in jeder decorativen Aufgabe für das alte Porzellan eintreten könne, 
die große Reihe neuer Massen und Glasurfarben, pastose Emaile, die für 
Scharffeuer und den Muffelofen hergestellt wurden, die Verwendbarkeit 
der Unterglasurfarben, ja die Möglichkeit, auf die Masse selbst weiche 
Steingutglasuren aufzubringen, wo eine besondere Farbe dies erheischt, - 
all' das verleiht der neuen Porzellantechnik den gesammten Reichthum 
der Decorationsbehelfe der Fayence. Daher die erstaunliche, neuartige, 
blendende Wirkung der Porzellane, wie sie in der Sevres-Ausstellung 
1889 den Beschauer verblülTte. 
Vereinzelte Kritik hat dem neuen Porzellan vorgeworfen, dass es 
nicht vollauf die edlen Qualitäten des alten Hartporzellans habe. 
In der äußeren Erscheinung steht es ihm, wie wir gesehen haben, 
in nichts nach; Dichte, Härte, Durchschein hat es auch. 
Es ist nicht so widerstandsfähig gegen raschen Temperaturwechsel, 
sagte man, wie das alte thonreiche Product. 
Nun, dies Moment kommt doch wohl nur bei Kochgeschirr und La- 
boratoriumsgeräthen, Schmelztiegeln oder dergleichen in Betracht; die 
werden nach wie vor aus_ alter Hartmasse angefertigt werden, -- Prunk- 
gefäße, Kunstobjecte und selbst das Tafelgeräthe haben mit dem directen 
Feueranpralle nichts zu thun. Und vielmal höher steht das neue Por- 
zellan auch in dieser Beziehung noch als die Fayence oder gar das Glas, 
das wohl noch Niemand deshalb verdammt und verurtheilt hat. 
C
	        

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