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Objekt: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 105)

Schmuck, Haartracht auszufeilen, das hat er 
hier noch naturgetreu wiedergegeben. vielleicht 
dem Auftrag gemäß, sicher aber auch noch un- 
eins mit sich selbst. Trotz dieser genrehaften 
Züge spricht der ernste, mütterliche Ausdruck 
dieser alten Frau von menschlicher Wärme, die 
den vielen Tausenden von schablonenhaften 
Porträts der Königin Victoria rings um den Erd- 
ball so oft fehlt. 7 Girlanden aus den Blumen- 
Symbolen des lnselreiches, Rosen, Klee und 
Distel, rahmen das Bildnis. Auch diesen pflan- 
zenhaften Schmuck hätte Hanak später nie mehr 
angewendet. 
Als zeitlich nächste Arbeit des Künstlers begeg- 
nen uns die beiden monumentalen Sandstein- 
gestalten "Arbeiter" und "Arbeiterin" von 1910 
vor dem Dachgesims am Verwaltungsgebäude 
der „Vorwärts"-Druckerei, Rechte Wienzeile 97. 
Ausschreitend, stolz aufgerichtet, fügt die Sym- 
metrie ihrer Bewegung die Figuren der architek- 
tonischen Strenge des Gebäudes ein; der offene 
Schritt lockert die geschlossene Form. wie es 
der Steinbildhauer Hanak später in solchem Maß 
nie mehr wagte. 
Etwas später (1911) entstanden die Reliefs am 
Zwischen den Figuren über dern Haupteingang 
kann man die Spuren der Inschrift erkennen, 
die bei der Übergabe des Gebäudes in Metall 
ausgeführt war: „Ei nig keit". Die Gestalten 
treten fast vollplastisch aus der Wand hervor. 
Trotz der gleichen Haltung wirken sie nicht 
schematisch gereiht. Das Thema vorsichtig ab- 
wandelnd, sind die Einzelwesen in die Zusam- 
mengehörigkeit eines Frieses gebunden. Die 
symbolischen Zeichen der Berufsstände weichen 
fast völlig in die Fläche zurück, und in späteren 
Jahren hätte Hanak wohl ganz auf dieses alle- 
gorische Beiwerk verzichtet. Über die Eröffnung 
des Gebäudes liegt ein Bericht der „Neuen 
Freien Presse" vom 18.August 1911 vor. der 
den „Mariahilfer Zentralpalast" des Architekten 
Kaiserl. Rat J. Wohlschlager als eine Jmposante 
Institution" feiert. Seltsamerweise erwähnt der 
Berichterstatter mit keinem Wort die Reliefs am 
Außenbau, obwohl andere künstlerische Mit- 
arbeiter genannt werden. 
1913 wurde Hanak abermals für einen öffent- 
lichen Auftrag gewonnen. Während er sich bei 
den Entwürfen ..Arbeiter" und "Arbeiterin" dar- 
über beklagt hatte, daß die Auftraggeber durch 
375 Anton Hanak, Giebelplastik, 1915. Sandstein. 1 
XIII, Glonettegasse 14216 (Bau von Josef Hollm 
Anton Hanak, Professor D1. Emil Zuckerkandl, 1 
Bmnzestandbüd im Ehrenhoi der UFNVGISIIHI W11 
Anton Hanak, VIClOI Adler, 1928, Bronzebusle 
Denkmal der Repubhk in WIEN l, Rmg -Schmer 
plalz 
6 
7 
 
Von der Verfasserin erschien im Mai 1969 die Monogre 
..Anlon Hanak, Wevk, Mensch und Leben" im Delp-Vl 
München. 
 

	        

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