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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 8)

Lande zusammengetragen sind. Nicht einmal dasjenige, oder nur sehr 
Weniges von dem, was doch nachweislich im Lande selbst entstanden ist, 
trägt einen künstlerischen Charakter, den man als böhmisch, als dem 
Lande eigenthümlich bezeichnen könnte. Es gibt wohl einen oder den 
anderen Zweig der Kunstindustrie, welcher in Böhmen vorzugsweise 
geblüht hat oder noch blüht wie die Glasfabricarion, aber Formen und 
Ornamente sind allgemeiner Art. 
Diese Ausstellung älterer Gegenstände der Kunstindustrie, das retro- 
spective Museum, hatte Anfangs nur die Bestimmung für solche Arbeiten, 
welche im Lande Böhmen selber entstanden sind. Man überzeugte sich 
aber bald, dass mit dem, was nachweislich als solches vorhanden ist, 
eine hinlänglich interessante Collection nicht zusammenzubringen war. 
Man erweiterte daher die ursprüngliche Absicht und zog auch alle jene 
Gegenstände von gleicher Art, aber fremder Herkunft hinein, welche sich 
heute in Böhmen in einigermaßen festem Besitze befinden. So haben Kirchen 
und Klöster, Rathhäuser, Paläste und Schlösser und mancher vereinzelte 
Privatbesitz ihre alten Kunstschätze zur Verfügung gestellt, und so ist in 
der That eine Art Museum vereinigt, welches dieses Namens würdig 
wäre, wenn es nicht auf die Dauer weniger Monate beschränkt bliebe. 
Die Collection, drei große Säle füllend, ist umfassend nach der Zeit 
wie nach den Gegenständen und wohl geordnet. Man beginnt die Wan- 
derung mit den Gegenständen der sogenannten prähistorischen Zeit, 
Fundstücken der Ausgrabungen, Waffen, Schmuck und Geräth von Bein, 
Eisen, Bronze, Stein, Glas, neben zahlreichen Thongefäßen, Schädeln und 
Gebeinen von anthropologischer Bedeutung, wie sie in anderen Samm- 
lungen dieser Art zu sehen sind, wohl alles im Lande Böhmen gefunden, 
aber wohl das Wenigste im Lande gearbeitet. Die Gegenstände sind nicht 
anders, als sie sonst von gleicher Art gefunden werden. Aber es sind 
Stücke darunter von großer Schönheit und von bester Erhaltung. Es 
folgt eine Sammlung von Siegeln und Münzen, diese allerdings sämmt- 
lich böhrnisch nach Herkunft und Bedeutung, denen sich aus gleichem 
Gesichtspunkt eine Sammlung von Porträtmedaillen solcher Persönlich- 
keiten anschließt, welche in der Geschichte Böhmens von Bedeutung 
waren. Eine Sammlung von Autographen und Documenten geht ihnen 
zur Seite. Die nächstfolgende Collection ist vielleicht das Werthvollste, 
jedenfalls künstlerisch das Bedeutendste in diesem ganzen retrospectiven 
Museum. Es ist eine große Reihe mit Miniaturen verzierter Manuscripte, 
zum Theil in böhmischer Sprache und auch in Böhmen geschrieben und 
illustrirt, der Zeit nach vom 9. bis zum 17. Jahrhundert reichend, 
interessant durch ihren lnhalt, mehr aber noch durch die künstlerische 
Ausstattung, welche der Geschichte der Malerei folgt und Werke ihrer 
Art und Zeit von höchster Vollendung und in größtem Formate zu 
zeigen hat. Mit den Manuscripten verbunden, ist eine Collection von 
Bucheinbänden, welche ebenfalls noch bis in das erste Jahrtausend zurück-
	        

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