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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 9)

 
Brun den mannigfachen Dingen zu verleihen wusste, gab er dem Lande in 
diesen Arbeiten einen decorativen Stil, der den Charakter der Zeit, den 
Geist der Gesellschaft, so fein und vollständig wie kein anderer zum 
Ausdruck brachte. Nichtsdestoweniger lag es dem "Ersten Maler des 
Königsu ferne, irgendwelche Tyrannei auszuüben. Die Goldschmiede- 
Zeichnungen, da die Arbeiten selbst im Laufe der Zeit dem Einschmelzen 
nicht entgangen sind, gestatten uns gegenwärtig noch es festzustellen, 
dass Le Brun nie daran dachte, verdienstvolle Künstler, welche Auf- 
träge des Königs auszuführen hatten, unter seine stilistische Eigenart 
zu beugen. 
So haben Legare, Pierre Bain und manche Andere ganz und gar 
selbständig geschaffen. Auch geht nicht allein aus den Aufzeichnungen 
seines Biographen Nivelon, sondern auch aus dem Urtheile anderer Per- 
sonen hervor, dass Le Brun mit dem großen Respect vor fremder Arbeit 
eine ebenso große Zurückhaltung im Anpreisen der seinen zu verbinden 
wußte. Er war ein Mann voll Selbstbeherrschung, klug und wohl unter- 
richtet, vornehmlich aber besaß er die Eigenschaften eines guten Admini- 
strators. Von jeher hatte er sich als geschickter Unterhändler erwiesen, 
schon damals als es sich um die Gründung der Akademie handelte, dann 
später als Director der Gobelins, wo er im ersten Anlauf die Manufactur 
der königlichen Möbel zu hoher Blüthe brachte, und endlich als Vorstand 
der königlichen Gemälde-Galerie, in welcher Eigenschaft er einen wesent- 
lichen Autheil an der Gründung des Cabinets der Handzeichnungen hat. 
Als Künstler aber zeichnet ihn vor allem ein feines Gefühl aus für die 
Erfordernisse wie für die Grenzen in jeder Kunstgattung, in der Archi- 
tektur so gut wie in der Sculptur, in der Malerei so gut wie in der or- 
namentalen Kunst und im Kunstgewerbe. Wie ein Jahrhundert vor ihm die 
großen Meister Italiens, hatte er ein geübtes, feines Auge für das Ganze 
der Kunst. Er empfand lebhafter als irgend Einer das Wesen und den 
Zweck einer decorativen Malerei, ließ die Decke leicht und luftig er- 
scheinen, verstand die Wände mit hübschen Perspectiven zu beleben und 
wusste durch Herbeiziehung aller anderen Künste überall eine erhöhte 
Festesstimmung wachzurufen. 
Die Anzahl der Sculpturen, die nach Zeichnungen von Le Brun 
ausgeführt wurden, ist außerordentlich groß. Am häufigsten und erfolg- 
reichsten hat Girardou nach ihnen gemeißelt, von anderen Meistern wur- 
den mehrere figurenreiche Grabmäler nach seinem Entwurfe ausgeführt. 
- Im Hafen von Toulon wurden 1667 zwei königliche Schiffe vom 
Stapel gelassen, deren reiche Decoration von Le Brun entworfen worden 
war, nachdem Andere vergebliche Versuche gemacht hatten, die Aufgabe 
glücklich durchzuführen. - In der Kirche St. Eustache in Paris hat er 
die Kanzel componirt, in der Kirche Grands-Augustin daselbst rührt der 
Entwurf des Hochaltars von ihm her. Mit unglaublicher Raschheit und 
Virtuosität bewältigte er die verschiedenartigsten Aufgaben. lm Jahre
	        

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