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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 10)

im Hause, muss weiter als auf einen bedeutsamen Factor hingewiesen 
werden. Die Vorliebe, das Wohnhaus mit Blumen zu schmücken, ist eine 
allgemeine. Epheu und andere Schlinggevvächse bedecken das röthliche 
Gemäuer und winden sich mitunter bis zum First des Daches empor. 
Daneben schmücken Blumen, in Vasen gepflanzt, die Lichtschachte. Am- 
peln mit üppigen Zierpflanzen hängen dazwischen, und sonst noch im 
Hause an jedem passenden Orte; jedes Fenster gleicht einem kleinen 
Treibhause, Reihen von Blumentöpfen, artistische Erzeugnisse, stehen auf 
den umgitterten vorspringenden Fenstersimsen. Gewisse solche Töpfe, 
fast cylindrischer Form, können als typisch gelten. Sie sind meist glatt, 
einfärbig glasirt, türkisblau, kobaltblau, saftig dunkelgrün, dunkelpink- 
roth; seltener zeigen sie das bekannte dunkle Chinesischgelb. In die 
Flächenwinkel zwischen diesen Töpfen hängt man als verbindende Zier- 
glieder Akanthusblätter aus emaillirtem Thon von passender Farbe (meist 
der complementären zu derjenigen der Töpfe). Der Augenschein lehrt, 
dass Zweck und Verwendung dieser Gefäße ein natürliches Correctiv 
gegen eine widersinnige Anwendung naturalistischer Decorationsmotive 
in sich tragen und auch zur Geltung bringen. Wäre es doch auch zu 
sonderbargsollten die getreulichen Abbildungen von Blumen auf Garten- 
töpfen mit der Erscheinung der lebenden Originale concurriren. 
Was wir bis jetzt mit flüchtigen Blicken gemustert, tritt dem Be- 
sucher in London auf Schritt und Tritt entgegen, Zeugniss davon gebend, 
dass es den Keramikern gelungen ist, ihren Schöpfungen in der verhält- 
nissmäßig kurzen Zeit von etwa fünfundzwanzig Jahren Eingang in das 
Leben zu verschaffen und deren Erfolg dauernd zu Bxiren. In der That 
können die modernen Werke der decorativen Keramik, "wie sie von 
Minton, Hollins, Copeland, Doulton, Stiff und so vielen Anderen 
introducirt wurden, in ihren ersten Anfängen auf keine ältere Epoche 
zurückgeführt werden. 
Etwas anders steht es mit der keramischen Cabinetskunst, wie wir 
die künstlerisch hergestellten Tafel- und sonstigen Gebrauchsgegenstände 
nebst den keramischen Luxusobjeclen bis zu den zierlichsten Nippes 
nennen möchten. Diese steht in England mit den Ergebnissen älterer, bis 
in's vorige Jahrhundert zurückgreifender Perioden in directem, wenn auch 
in manchen Fällen nur mehr lockerem Zusammenhang. Dieser lässt sich 
feststellen in Bezug auf das in Verwendung kommende Material, auf die 
Formengebung im Allgemeinen, auf die Decorationsweisen mit Anwen- 
dung von Muffelfarben, endlich auf die Anbringung von Verzierungen 
vermittelst verschiedener Druckmethoden. 
Um das herrschende Genre genugsam zu überblicken, ist der Besuch 
Ivon Fabriken und ihrer ausgedehnten show rooms am zweckdienlichsten- 
Es soll nicht geleugnet sein, dass es seine Schwierigkeit hat, zu den 
Stätten der industriellen Thätigkeit Zutritt zu erhalten. Dieser sattsarn 
bekannte Umstand hat übrigens nichts Befremdendes an sich, da wohl
	        

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