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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 1)

leichtert wäre, deren wichtigste an allen Beispielen typisch wiederkehrt: 
es ist dies eine in der Mitte der Lehne horizontal durchlaufende Zwerg- 
balustrade, durch die das große Trapez in zwei kleinere getheilt er- 
scheint. Diese kleineren Trapeze haben dann auch ihrerseits wieder mehr- 
fache ornamentale Durchbrechungen. Die zwei divergirenden Sparren, die 
die Rücklehne rechts und links abschließen, sind oben bckrönt durch 
je eine roh geschnitzte Vogelßgur (in einem Falle durch je eine drei- 
blättrige Blume). 
Die gleiche Gemeinsamkeit wie im Aufbau tritt uns auch bei der 
Betrachtung der Ornamentirung entgegen, die sich über die ganze Rück- 
lehne und über die Consolbretter verbreitet; gelegentlich haben auch 
die Beine Bemalung gefunden. Die Ornamentirung ist entweder durch 
Durchbrechungen oder durch Bemalung hervorgebracht, welch' letztere 
fast immer mit einer Rachen linearen Kerbschnitzerei verbunden erscheint. 
Die Durchbrechungen sind gewöhnlich herz- oder sternförmig, in einem 
Falle (wo nämlich auch die erwähnte Bekrönung der oberen Sparren 
durch dreiblättrige Blumen statthat) sind die Consolbretter des Sitzes in 
reiches Rankenwerk aufgelöst. Die Bemalung erstreckt sich über die ge- 
kerbten Ornamente hinweg, worunter neben geometrischen (Zickzack, 
Herz- und Sternl-iguren, Kreisen mit gekrümmten Radien) gewisse wohl- 
bekannte vegetabilische Typen immer wiederkehren, namentlich die 
tulpen- und rosettenförmige Blume, häufig aus kübelartigen Vasen oder 
aus l-lerzblättern symmetrisch herauswachsend. Das Berliner Exemplar 
zeigt diese Blumenverzierung noch bereichert durch symmetrisch ver- 
theilte Vogelfigureu. Die Bemalung ist (mit einer Ausnahme, wofür die 
Erklärung unten folgt) im Wesentlichen durch Roth und Grün bestritten; 
einige lichtere und dunklere Farbentöne, die daneben vorkommen, ge- 
langen beim Gesammteindruck fast gar nicht zur Geltung. Eine für den 
Beobachter sehr angenehme Eigenthümlichkeit dieser Stühle _ist es auch, 
dass sie durch eingeschnittene (oder durchbrochene) Inscbriften auf der 
Rücklehne selbst die Geschichte ihrer Herkunft erzählen. Am redseligsten 
ist in dieser Beziehung der Berliner Stuhl, der neben dem Eigenthümer 
(wohl nicht Verfertiger, obzwar beim Charakter dieser Kunstübung als 
einer höchst einfachen Volkskunst in früheren Jahrhunderten sich häufig 
Beides - Verfertiger und Eigenthümer - in einer Person gedeckt haben 
mag) auch den Ort und das Jahr seiner Entstehung nennt. Von den im 
Oesterr. Museum ausgestellten drei Stücken trägt das älteste, vom Museum 
erworbene, nur den Namen der ursprünglichen Eignerin: Anne Katarine 
Seibel, ein zweites (aus Privatbesitz in Wien) den Namen Elisabet Schmidt 
1830, und noch einmal wiederholt in einer oblong-achteckigen Cartusche: 
Anno x83o, das dritte (gleichfalls aus Wiener Privatbesitz) den Namen 
Heinrich Dörbäcker und die Jahrzahl 1864. 
Die Betrachtung der drei Stühle nebeneinander ist von ganz beson- 
derem lnteresse, da sich daran der Zeiten Wechsel deutlich erkennen
	        

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