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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 4)

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St. Michaelskirche in Hildesheim, den doppelchorigen Mainzer Dom zum 
Vorbilde nahm; wenn noch auf dem Sarkophage des Bernward eine Re- 
miniscenz an den Mainzer Aufenthalt sich findet, da die Inschrift un- 
mittelbar an die des Ekkehard ll. im Mainzer Dome anklingt. Auf Wunsch 
des Jünglings weihte Willigis den Bernward zum Priester, der nachher 
zu seinem Großvater ging, welchem er ein treuer Pfleger des Alters war. 
Eine Propstei (Deveivter), die ihm sein Oheim Volcmar verleihen wollte, 
nahm er nicht an. 
Nach dem Tode des Großvaters 987 kam Bernward an den kaiser- 
lichen Hof, auf die Pfalz Nymwegen, wo die Kaiserin Theophano für 
ihren Sohn die Reichsregierung führte. Otto III. war 980 geboren, 983 
gekrönt worden, damals also sieben Jahre alt. Wahrscheinlich hatte die 
Empfehlung des treuen Erzbischofs auch einigen Antheil an der Ent- 
schließung der Kaiserin, dem sächsischen Grafensohn Bernward die Er- 
ziehung des jungen Königs anzuvertrauen. Nahm doch Willegis im Rathe 
der Krone den ersten Platz ein. Bernward hat die Erziehung des jungen 
Königs Otto derart geleitet, dass dieser der Stolz der Deutschen zu 
werden versprach. Die Vorliebe des Königs nach dem sonnigen Süden, 
die Schwärmerei für byzantinische Ideen wird aber kaum von ihm her- 
rühren, wissen wir doch von dem Einiiusse eines griechischen Lehrers, des 
Johannes aus Calabrien auf den jungen König. Otto schätzte, ja liebte 
den Bernward, ja es scheint fast, als hätten die eigenen Verwandten des 
Königs - selbst die Kaiserin Theophano nicht ausgenommen - nicht 
ohne gewisse Eifersucht die herzlichen Beziehungen des jungen Königs zu 
seinem frommen, vielleicht ein wenig rauhen Lehrer gesehen. Die stärkste 
Feindin Bernwards war Sophia,die Schwester des Königs, welche, auch wohl 
Aergerniss verursachend, allzulang- vom Stifte Quedlinburg sich entfernt 
hielt, und am Hofe des Königs weilte. Bernwardus scheint ihr in un- 
liebsamer Weise ihre Präsenzpfiicht vorgehalten zu haben. Obwohl es 
also ohne trübe Stunden nicht abgieng, obwohl Bernward fühlte, dass 
er nicht gar lange am Hofe weilen könne, erkannte er es sicher als ein 
hohes Glück, das er ausnützen müsse zu seiner eigenen Ausbildung. Es 
war eine Zeit des Lernens, des Aufnehmens mannigfachster Eindrücke, 
da er mit allen Strömungen des litteratischen Lebens wie künstlerischen 
Schaffens in Berührung kam, da er die edelsten Geister seiner Zeit kennen 
lernte, Wunderwerke der damaligen Kunst studiren konnte. War ja doch 
eine Theophano der herrlichste Stern, der Leitstern dieses Hofes. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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