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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 4)

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waren. Ein particulares Interesse mochten sie erwecken, aber innerhalb 
der Geschichte der Gobelinwirkerei im Allgemeinen spielen sie ebenso- 
wenig eine bedeutsamer-e Rolle, als die barberinische Fabrik unter 
Urban VIII. und die neueren vaticanischen Anläufe. Nur des äußeren 
Zusammenhangs halber sei hier noch einmal auf die kleine Bildwirkerei 
mit der Kreuzabnabme nach Ratfael hingewiesen, die in der vorigen 
Nummer der vMittheilungem eine ausführliche Besprechung gefunden 
hat. Man hat nämlich aus der theilweisen Verzerrung und Vergröberung 
der Zeichnung, die an jener Bildwirkerei, insbesondere bei Vergleichung 
mit dem nächstverwandten Stiche von Marcanton in die Augen fällt, auf 
Ausführung durch eine ungeübte Lehrlingshand schließen wollen, wo- 
durch die Anfertigung durch einen italienischen Schüler wahrscheinlich 
gemacht erschiene. Dagegen ist aber an den Umstand zu erinnern, dass 
diese Wirkerei nicht nach einem gemalten Canon, sondern ganz zweifellos 
nach einer flüchtig getuschten und weiß gehöhten Handzeichnung aus- 
geführte worden ist, wobei es am allerwenigsten einem niederländischen 
Wirker verargt werden könnte, wenn er Angesichts der in unbestimmten 
Contouren gehaltenen und von italienischer Künstlerhand ausgeführten 
Zeichnung nur eine mittelmäßige Reproduction zu Stande brachte. Da- 
gegen ist an der Mache selbst, an der technischen Ausführung dieser 
Bildwirkerei nichts zu tadeln. 
Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit 
demselben verbundenen Institute. 
GBSOhGIIk 8.11 das Museum. Der k. k. Baurath Otto Wagner 
hat dem Museum ein schön gebundenes Exemplar seiner jüngst erschie- 
nenen Publication: nEinige Skizzen, Proiecte und ausgeführte Bauwerkeu 
gewidmet. Der opulent ausgestattete Großfolio-Band enthält die Früchte 
einer zehnjährigen Thätigkeit und umfasst 63 Heliogravüren, die vom 
k. u. k. militär-geographischen Institute nach Originalzeichnungen oder 
photographischen Aufnahmen hergestellt wurden. Die erste Partie, aus 
16 Tafeln bestehend, zeigt uns Skizzen, darunter ein Palais der kaiserl. 
russischen Botschaft in Wien, mehrere Miethhäuser und ldealproiecte, 
der zweite Theil umfasst sieben Entwürfe für Monurnentalbauten, dar- 
unter das Berliner und Budapester Reichstagsgebäude, die Börse in Am- 
sterdam u. s. w., den Schluss bildet die Gruppe der ausgeführten Bau- 
werke, darunter Wiener Miethhäuser, ein Wohnhaus, eine Villa, die neue 
Synagoge in Budapest und die Länderbank. Zum Schluss finden wir die 
Ausschmückung zweier Festplätze, welche anlässlich der Begrüßungsfeier 
lhrer königl. Hoheit der Frau Prinzessin Stefanie und der Feier der Sil- 
bernen Hochzeit lhrer k. u. k. Majestäten errichtet wurden. - Sämmtliche 
Bauten und Entwürfe sind in den Spätformen der Renaissance gehalten. 
Bibliothek. Vom 21. März bis 20. October ist die Bibliothek des 
Oesterr. Museums, wie alljährlich, an Wochentagen - mit Ausnahme 
des Montags - von 9 bis z Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 
i Uhr geöffnet.
	        

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