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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 4)

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gehauenen Todtenhohlen. oft in zwei Stockwerken über einander gelagert, die durch 
einen Brunnenschacht in Verbindung stehen, enthalten backofenfdrmige Vertiefungen, in 
welche die Leichen hineingescboben wurden. Die Nekropole von Sidon enthalt über 
aoo Felsengräber, in denen die Leichname in der Regel auf den blolien Boden oder aber 
in einen Felsgrnben gelegt wurden; erst in späterer Zeit wurden sie 1D Sarkophagen 
beigesetzt. Diese Sarkophage, welche vom 3. bis zum 8. Jahrhundert vor Chr. hinauf- 
reichen, sind wannenartige Behältnisse aus Stein, weißem Marmor oder Cedernholz, 
zumeist reich ornamentirt. KVenn die Phonizier später die Sarkophagdeckel mit lebens- 
grolJen Figuren versahen, so ist dies agyptischem Einflusse zuzuschreiben. Das großartigste 
phönizische Grabdenkmal ist das des Konigs l-Iiram bei Tyrus, ein kolossaler Sarkophag 
aus Kalkstein auf einem hohen, schwerfälligen Sockel. Der kostbarste Fund ist der ba- 
saltene Sarkophag des Konigs Eschmunazar, welcher im Jahre 1355 im Südosten von 
Saida aufgefunden wurde und sich ietzt im Louvre zu Paris befindet. Die mumienartige 
Deckelplatte zeigt das roh ausgehauene Bild des Königs, das auf der Brust eine aus 
z: Zeilen bestehende Inschrift enthält, das umfassendste Denkmal des phonizischen Schrift- 
lhums. In den phonizischen Grabern fand man Gefäße von Glas, Thon oder Alabaster 
(alabastron), Idole von Schutzgottheiten, meist aus Terracotta (darunter am meisten die 
Aphrodite), Amulette, Wägen, Vasen, Siegel, Schmucksachen aller Art u. dgl. m. 
Unter den ältesten Culturvblkern haben die Aegyptier die Vorstellungen von 
der Unterwelt und dem Zustande des Menschen nach dem Tode am vollstandigsten aus- 
gebildet. Ihre Lehre von der Seelenwanderung (Metensomatose) lag dem Verfahren mit 
den Todten zu Grunde. Dem Geiste (K1), welcher auch nach dem Tode der eigentliche 
Vertreter der menschlichen Persönlichkeit ist, muss der Körper sorgfältig erhalten 
werden, daher die umständliche Einbalsamirung der Leichen (Mumien), die in den Gra- 
bern mit Speise, Trank und den üblichen Hausgeräthen ausgestattet wurden. Die ägyp- 
tischen Gräber lagen großtentheils am westlichen Wüstenrande; die Gräber des ältesten 
Reiches sind die Mastabas, freistehende Quaderbauten, die unter der Erde die Grab- 
kammern sammt dem Cultusraume enthalten. Die Mumie war von einem hölzernen Sarg 
und dieser von einem steinernen Sarltopliage umschlossen. Später trat an die Stelle der 
Mastabas das Felsengrab, bei dessen Anlage das Princip der Nachahmung der Natur zur 
Geltung kam. In den Gräberbauten der zwolften Dynastie, die durch ihre Schünheit sich 
auszeichnen, prägt sich der Fortschritt der ägyptischen Architektur aus, die mit Beginn 
des neuen Reiches wieder sehr sich vereinfacht, dagegen erhält der Sarg eine mehr 
künstlerische Gestaltung. Zur Erhaltung der Gräber wurden eigene Stiftungen gemacht. 
Die größten Grabdenltmäler der Welt sind die Pyramiden, welche (etwa xoo an 
der Zahl) im Wesentlichen dieselbe Grundform haben. Während die Engländer Perring 
und Vyse die Pyramiden genau vermessen haben. gebührt den deutschen Gelehrten 
Lepsius, Erbltam u. A. das Verdienst, die Methode der Erbauung derselben erforscht 
zu haben. Der Bau einer Pyramide gestaltete sich von innen heraus, mithin richtete sich 
ihre Große nach der Lebenslange ihres Erbauers. Bei Vollendung des Denkmales musste 
die Spitze, die übrigens bedeutungsvoll ist, zuerst aufgesetzt werden. Die Disharmonie 
zwischen der Größe des Bauwerkes und dem kleinen lnnenraurne (Grabkammer) ist 
nach Ebers szweckvoll, wenn wir uns die Aufgabe des Architekten, einen möglichst 
fest abgeschlossenen Raum für eine Leiche herzustellen, vergegenwärtigenu. Es folgt 
hierauf eine kurze Beschreibung der Pyramiden bei Gizeh. Der Vortrag schloss mit den 
Worten des Aegyptologen Kayser: -Die Pyramiden waren Gräber für die Pharaonen, 
die Repräsentanten der Gottheit auf Erden, daher die himmelanstrebende Hohe; sie 
schützten vor dem Wüstensande, daher die schrägen Seiten des Baues, und dann - einv 
facher und zugleich großartiger und wirkungsvoller lassen sich Erhabenheit, feierlicher 
Ernst und Ruhe, irdische Hinfälligkeit, die auf das überirdische Ewige hinweist, nicht 
mit einem Zuge architektonisch darstellen, als es in den ägyptischen Pyramiden geschehen, 
die da lagern an der Stelle, wo das Leben des üppigen Culturstriches dem Tode der 
unabsehbaren Wüste weichtu 
In der zweiten Vorlesung am lt. März 1890, welche dasselbe Thema behandelte, 
geht der Vortragende auf die hebräischen Gräber in Palästina über. Man unterscheidet 
eine doppelte Art von Gräbern, und zwar: 1. Sammelgrabe r, das sind unterirdische 
Räume, die zur Aufnahme einer größeren Zahl von Leichen bestimmt waren, und z. 
Familiengräber. Als Prototyp diente die Patriarchengruft in Hebron, nämlich die 
Doppelhdhle Machpela. Die Todtenkammern waren in Felsen oberhalb oder unterhalb 
des Bodens gehauen, oft labyrinthartig verzweigt und nur durch eine kleine Thüre von 
außen zugänglich. Nach dem Vorgange des Palastinaforschers Titus Tobler theilt man 
die einzelnen Gräber in vier Arten: I. Bank- oder Aufleggraber, z. Troggräber nach 
Art eines Sarkophagsfg. Schiebgräher und 4. Senltgriber. 
Das älteste Familiengrab ist die Patriarchengruft in Hebron; über derselben wurde 
zur Kreuzfahrerzeit eine christliche Basilika St. Abraham erbaut, die später in eine 
Moschee umgewandelt wurde und jedem Nichtmoslim unzugänglich ist. Die Doppelhbhle
	        

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