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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 4)

scheint in wenig veränderter Form noch erhalten zu sein. Bei El-Tibne, dem biblischen 
Thimnat auf dem Gebirge Ephtaim, liegt das Grab Josue mit einem schonen Vestibulum, 
dessen Wände mit vielen Nischen geziert sind; die erste Felsenkammer enthält 14 Schieb- 
graber für die Familienglieder, die zweite nur ein Schiebgrab für das Familienober- 
haupt. lm Jahre 1870 wurde von V. Guerin das Familiengrab der Machabäerfürsten in 
der Nahe der Ruinen von El-Medieh aufgefunden, über welchem sich einst ein großes 
Denkmal und sieben Pyramiden erhoben, von denen sich noch Bruchstücke vorfinden. 
Die sieben Grabkammern enthalten je ein in Fels gehauenes Senkgrab. 
Die meisten Gräber finden sich um Jerusalem, und zwar das halbverschüttete 
Josaphatgrab, ein Felsenausschnitt mit ornamentirtem Giebel, das Grab Absalom's, ein 
Felsenwurfel mit einem niedrigen Spitzthurme, der Grabmonolith des Zacharias mit 
jonischen Säulen und das Grab des heil. Jacobus im Thale Josaphat. Die Sammelgräber 
sind theils Gemeingräber für Landgemeinden, theils lnnungsgräber für Stammesgenossen- 
schaften. 
Dahin gehören die sogenannten Prophetengräber auf dem Oelberge, ein formliches 
Labyrinth von Gräbern; die Richtergräber mit einer Vorhalle, die mit Säulen und Spitz- 
blattern versehenen Giebel geziert ist. Die Katakombe enthält zwei Stockwerke. Zehn 
Minuten vom Damaskusthore liegen die berühmten Konigsgräber mit zwei großen Vor- 
hofen, die durch ein schönes Felsenthor verbunden sind. Durch Schönheit der Ornamentik 
ragt besonders die Grabfacade hervor. Die einzelnen Kammern waren durch eingesetzte 
steinerne Thüren abgesperrt, die auf einen gewissen Druck in ihren Zapfen sich drehten 
und durch ihr eigenes Gewicht sich wieder schlossen. Wir haben hier wahrscheinlich 
das Grabmal der Königin Helena von Adiabene und ihres Sohnes lzates zu suchen. 
Zu den Gemeingräbern gehören das aufgefundene Grab bei den Ruinen von Chdrbet 
en- Nasara im Norden von Hebron, wo die Leichen am Boden aufgeschichtet wurden. und 
das Pilgergrab Hakeldama im Hinnonthale, wo überhaupt Gräber an Gräber sich reihen. 
Besondere Aufmerksamkeit schenkte der Vortragende dem Grabe Ch risti in Jerusalem, 
indem er eine kurzgefasste Geschichte und den Zustand desselben auseinandersetzte. Aus 
dem dunklen Felsengrabe entwickelte sich auch die Lehre vom Schenl, dem Hades 
der Juden. Das hebräische Felsengrab war für die Lehre von der Auferstehung der 
Todten eine Vorbedingung. 
Die Gebräuche der Todtenbestattung wurden von den Juden auch in der Diaspora 
in den verschiedenen Colonien festgehalten. ln Rom bestand schon frühzeitig eine große 
Judencolonie, welche ihre Todten in unterirdischen Grüften bestatteten, wie dies die in 
Rom und Untcritalien aufgefundenen jüdischen Katakomben bestätigen, Diese jüdischen 
Katakomben haben die allgemeine Einrichtung mit den späteren christlichen Katakomben 
gemein und unterscheiden sich von den palästinensischen Gräbern dadurch, dass auf Ersteren 
lnschriften und jüdische Symbole sich finden, um sie von anderen, namentlich christlichen 
zu kennzeichnen. Der Vortragende gibt nun eine kurzgefasste Beschreibung der christlichen 
Katakomben in Rom. Da sowohl den Juden als Judenchristen in Rom keine Felswände 
zu Gebote standen, suchten sie in dem steinartigen Tufe ein Surrogat, ihre Grabkammern 
anzulegen, wozu die leichte Bearbeitung dieses Steines sie einlud. Die aus dem Juden- 
thume bekehrten Christen begruben daher ihre Todten nach einem Ritus, der ihnen von 
altersher bekannt war und sie zugleich ihrem Erlöser in Tod und Begräbnis ähnlich 
machte. Das hebräische Felsengrab bildet demnach den Urrypus der jüdischen Katakomben 
in Rom und diese waren das Vorbild der christlichen Katakomben. Diese Ansicht theilen 
auch Garruci und Kraus und bestätigt die von Baurath Schick auf dem Oelberge bei 
Jerusalem aufgefundene große jüdische Katakombe, welche von den ersten Christen be- 
nützt wurde. ' 
Bei den Römern war in den ersten Jahrhunderten die Leichenverbrennung im 
Gebrauche, womit die Anlage von Columbarien zusammenhängt; doch war auch der 
Sarkophag gebräuchlich. Zur Zeit der Verfolgung feierten die Christen die heiligen 
Geheimnisse in den Katakomben und brachten über den Gräbern der Märtyrer das 
heilige Opfer dar. In der Zeit nach Constantin erbaute man über den Gräbern der her- 
vorragendsten Märtyrer Basiliken, die wegen ihrer Kreuzesform für eine christliche Kirche 
sich besonders eigneten. Eine Stiege brachte die Apsis der Basilika mit dem Märtyrer- 
grabe in Verbindung. Während der Verfolgung waren die christlichen Sarkophage nicht 
mit rein christlichen Bildnissen geziert, sondern die Geheimnisse wurden unter dem 
Schleier von Formen dargestellt, welche den Heiden bekannt waren. Die Sarkophage mit 
heidnischen Bildnissen wurden entweder derselben entkleidet oder nach der Wand zu 
gestellt. Nach der Verfolgung blühte die christliche Kunst allenthalten auf. Da die Ver- 
bindung der Basilika mit der unterirdischen Krypta später unbequem wurde, übertrug 
man den Sarkophag mit den heiligen Reliquien aus derbKrypta in die Basilika und stellte 
ihn in der Apsis als Altar auf. Der christliche Altar steht daher in keinerlei Beziehung 
weder zum jüdischen Brandopferaltar noch zu den heidnischen Opferstätten, sondern ist 
seinem Ursprunge nach das Troggrab, welches vom Felsen losgetrennt als Sarkophag
	        

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