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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 4)

Valksgeixl zu localisiren gewusst und ihnen ein heimatliches Wesen aufgedrückt. - Der 
zweiten Vorlesung wohnten Ihre kaiserl. Hoheitcn Herr Erzherzog Karl Ludwig und 
delsen Gemahlin bei. 
Litteratur-Bericht. 
The Years Art t89o. Compiled by Marius B. Huish. London, Virtue 
St C0. 8". 340 S. und 32 Taf. M. 4:20. 
In den zehn Jahren seines Bestehens hat es. dieses vom Herausgeber des Art 
Journal bearbeitete Jahrbuch zu einer Reichhaltigkeit des Inhalts gebracht, dass wohl 
kein die Kunstanstalten, die Ausstellungen und die Künstler Großbritanniens und Irlands 
betreffender Nachweis darin vergeblich gesucht werden wird. Die dem elften Jahrgange 
neu eingefügte Abtheilung, welche die Geburtstage von mehr als 300 Künstlern nach 
dem Datum geordnet mittheilt, zeugt auch dafür, dass der praktisch nutzbare Inhalt 
keiner Ergänzung mehr bedurfte. Die Abbildungen bestehen theils in Künstlerbildnissen, 
die diesmal aus dem Kreise der Aquarellisten gewahlt sind, theils in Reproductionen 
von Kunstwerken, welche 1839 in London oder anderen Städten des Königreichs aus- 
gestellt gewesen sind. Diese Zinkatzungen haben aber der größten Mehrzahl nach ein so 
winziges Format, dass der Gegenstand der Darstellung kaum zu erkennen ist und man 
daher ihren Zweck nicht recht begreift. B. 
i 
Die Wochenrechnungen und der Betrieb des Prager Dombaues in den 
Jahren 1372-1378. Von Jos. Neuwirth. Mit Unterstützung der 
k. k. Akademie der Wissenschaften. Leim-S". IV, 510 S. mit 5 Licht- 
drucktaf. Prag, J. G. Calve. M. 15. 
Der bereits als Herausgeber mehrerer tüchtiger kunsthistorischer Schriften bekannte 
Verfasser hat mit dem vorliegenden Werke eine außerordentliche Probe von Fleiß und 
Gründlichkeit gegeben. Die in der Bibliothek des Prager Metropolitan-Capitels glücklich 
erhaltenen Aufzeichnungen über die Kosten des Baubetriebes am Dome 1372-1378, 
welche von dem damaligen Director fabricae Andreas Kotlik gewissenhaft geführt wurden, 
bieten ein überaus wichtiges Material, an dessen Ausbeutung eine ganze Reihe Factoren 
participiren: die Kunstgeschichte im Allgemeinen und diejenige des Prager Domes und 
seiner Meister insbesondere, die Culturgesehichte, vorzugsweise jene der Geldwerthe und 
Preise, die Handwerksgeschichte und die Kenntniss des ja noch immer vielfach dunklen 
Wesens der mittelalterlichen Bauhütten. So werthvolle Aufhellungen gewinnen genannte 
Forschungsgebiete aus den nüchternen Rechnungslisten dieser Verzeichnisse jedoch nur 
durch eine eingehende Untersuchung nach allen Gesichtspunkten. Und hierin hat Neu- 
wirth in der That Anerkennenswerthes geleistet. Sein Eindringen auch in die scheinbar 
geringfügigsten Winke und Anhaltspunkte des Textes ist wahrhaft minutiös, seine Auf- 
merksamkeit eine überaus rege und von einem gediegenen Wissen unterstützt. Der Ab- 
druck der solutio hebdotnadaria pro structura templi Pragensis sammt dem angehängten 
Formelbuche des Klosters Ossegg umfasst gegen 350 Seiten, in dem Folgenden gestaltet 
uns der Autor aus diesen trockenen, aber gehaltvollen Angaben mit großer Kundigkeit 
eine Anzahl wirklich lebensvoller Bilder. Wir erfahren daraus, wie von der höchsten 
königlichen Instanz aus die gestimmte Einrichtung der großartigen Bauführung sich als 
eine klare Organisation gliederte, es zeigt sich eine Baubehorde und ein Bauamt von 
strenger Systemisirung mit allen seinen Functionaren. Gleichwohl hat dieses Ganze 
durchaus kein bureaukratisches Cachet im modernen Sinne, sondern vielmehr das Ge- 
präge eines vollends feinen künstlerischen Geistes, ohne den ia so Herrliches nie hätte 
werden konnen. An mehreren Stellen weist der Verfasser auf diesen edlen Geist des 
Wnhlvvollens, des echten künstlerischen Idealismus hin, der die gesammte Förderung 
des Werkes damals durchdrungen hatte und in dem Erzbischof Ernest, in dem Direclor 
fabricae Benei von Weitmühl u. A. ausgezeichnete Repräsentanten fand. Auch die 
Beschaffung der Geldmittel erscheint durch Zehente, Strafgelder und Stiftungen in feste 
Anordnung gebracht. Von ganz besonderem Wertbe stellt sich Neuwirths umfas- 
sende Untersuchung über den großen Peter Parler als Dornhaumeister dar, dessen 
Lebens- und Familienverhältnisse älteren, ungenügenden Forschungen gegenüber in ein 
vielfach ganz neues Licht gerückt werden. Daran schließt sich die Erorterung über die 
Einrichtung der Prager Bauhütte, namentlich im Vergleich zu anderen in Deutschland, 
mit vorzugsweise interessanten Angaben über die Nationalität der in ihr beschäftigten 
8.
	        

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