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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 4)

 
Gesellen, Parlierer und Hilfsarbeiter, unter welchen die Zimmerleute eine Hauptrolle 
spielen. Nicht minder eingehende Belehrung gewähren diese unschätzbaren Urkunden 
(aber die Eintheilung sowie Vertheilung der Arbeit, die Berechnung und Controle der 
Preise, Beschaffung und Bewerthung des Rohmateriales und der nothigen Hilfsmittel: 
Eisen, Blei, Werkzeuge, Sand, Kalk etc., endlich über den Transport, seine Mittel und 
seine Kosten. Den Beschluss macht ein ausführliches Capitel, welches die Schilderung 
der in gedachter Periode im Dom vollendeten Kunstwerke enthält, besonders der Königs- 
und Bischofsgraber, der Wenzelscapelle mit ihrem Edelstein- und Bilderschmuck, als dessen 
Letzteren Urheber der Verfasser Meister Oswald von Prag annimmt, wahrend bisher, 
allerdings unkritisch genug, auf Wurmser hingewiesen wurde. Ueberhaupt ist das vortreff- 
liche Werk eine strenge kritische Revision der vielfachen bei Mikovec, bei Ambros 
Woltmann und Grueber vorfindlichen lrrthümer. Beim Lesen desselben konnte ich den 
Gedanken nicht loswerden, wie eine derartige, echt wissenschaftliche Durchforschung 
auch für das urkundliche Material unseres Wiener Domes und seiner Bauhütte noth- 
wendig wäre, welche noch immer nicht zustande kommen will, durch die wichtigen 
Wahrnehmungen des Dombaumeisters bei der jetzt beendigten Renovation des Innern 
aber eine höchst willkommene Basis finden würde. Dr. Neuwirth hat mit seinem Werke 
mustergiltig erwiesen, wie eine solche Arbeit angefasst werden müsse. I. 
Ö 
Notes on some early Persian lustre vases. By Henry Wallis. London, 
1885-1889. Fol. 3 Hefte. M. 34'80. 
Henry Wallis setzt in diesen drei nach einander entstandenen Heften seine Studien 
über die mit metallischem Cvlanze verzierten, glasirten Faiencen des Orients fort. Die 
interessante Frage, wann und wo diese Art der Decoration glasirter Terracotten, welche 
aus dem arabischen Spanien nach Italien gekommen und dort zu den Mezzomajoliken 
und Majoliken von Gubbio geführt, wann und wo sie entstanden, diese Frage ist noch 
immer unbeantwortet. Man muss zu ihrer Losung rückwärts gehen und die älteren vor- 
handenen Beispiele studiren, namentlich jene, welche nicht aus dem muhammedanischen 
Westen Europa's, sondern aus dem Osten, dem wirklichen Orient, stammen. Diesen Weg 
der Untersuchung schlägt Henry Wallis ein. Es sind Lustrevasen persischer Herkunft, 
theils aus eigenem Besitz, theils dem South Kensington-Museum und anderen Museen 
gehörig, welche er untersucht und mit den Ornamenten der Manuscripte vergleicht. Es 
gelingt ihm, diese Arbeiten wenigstens bis in das 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung 
zurückzuführen. Der Text ist mit vortrefflichen Abbildungen der besprochenen Gegen- 
stände in Farbendruck begleitet. Sie genügen auch dem Leser zu weiterem Studium, ohne 
den Anblick der Originale nötbig zu haben. J. v. F. 
i 
Vorbilder-Hefte aus dem königl. Kunstgewerbe-Museurn zu Berlin, Heft 
5 u. 6. Stühle. Text von Jul. Lessing. Berlin, E. Wasmuth, 1889. 
Fol. je 15 Tafeln. a Heft M. 10. 
Auch diese zweite Serie der Vorlegeblätter des Berliner Kunstgewerbe-Museums 
ist der künstlerischen Bearbeitung des Holzes gewidmet. Ebenso wie bei den Rahmen 
wird das Material hauptsächlich durch ltalien und Deutschland bestritten, und zwar steht 
naturgemäß in den früheren Zeiten der Süden, vom Barock ab der Norden im Vorder- 
grunde. Auffallend gering ist die Vertretung des französischen Mobels des a8, Jahrhuna 
derts, wovon blos ein einziges Exemplar Aufnahme finden konnte, und dies aus der 
relativ späten Zeit um 1770. Freilich besaß Berlin selbst in diesem Jahrhundert eine sehr 
respecteble Prunkmobel-lndustrie, deren stattlichste Denkmäler in den preußischen Königs- 
schlösseru zu schauen sind, aber auch unter den Vorbildern des Kunstgewerbe-Museums 
in lückenloser Reihe von Schlüter's Zeit bis auf den modernen Eklekticismus vorgeführt 
werden. Besonderes historisches Interesse erwecken die beiden bäuerlichen Stühle aus 
dem Alten Lande bei Hamburg und aus Hessen, datirt 1794 und 1812, deren Grund- 
formen zum Theile in's Barock, zum Theile sogar in's Mittelalter zurückgehen, während 
das Ornament dieselben typischen, aus Vasen und Herzen emporwachsenden Tulpen- 
blumen aufweist, wie die berühmten nnationalen- Haustieißstickereien aus Oesterreich- 
Ungarn. Rgl. 
40 
Oesterreichisch-Ungarische Wappenrolle. Von H. G. Ströhl. Wien, 
A. Schroll 8x Co., 1890. Fol. fl. 8. 
Der Eintheilung des großen Titels Sr. Majestät folgend bringt uns hier der schon 
vielfach bewahrte Zeichner eine ebenso correcte als geschmackvolle Darstellung unserer
	        

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