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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 9)

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kennen. Aber auch die Hermeneia setzt dazu das Adjectiv 19120501; 
101191019. Wie löst sich nun der scheinbare Widerspruch, dass bei den 
Griechen somit die nach unserer Ansicht Vergoldung bedeutende Form mit 
der Wurzel mus seltener erscheint, obgleich auch sie von Glasgoldmosaik 
in den betreffenden Stellen sprechen, um so öfter dagegen ein Ausdruck, 
der weder Glas- noch Goldmosaik bezeichnet, sondern jenes aus Stein? 
Dieser scheinbare Widerspruch bestärkt unsere Auffassung gerade ganz 
bedeutend. Für's Erste muss Jedem auffallen, dass, wenn ipüqaog wirklich 
ursprünglich Stein bedeutete, dabei von Gold im so gemachten Mosaik 
die Rede sein kann? Wo sollen die Autoren das Vorbild in Wirklichkeit 
gesehen haben, da es jenen Ton im Steinmaterial des Mosaikes nie und 
nirgends gegeben hat, vielmehr wie gezeigt, erst mit dem Glas- auch 
das Goldmosaik aufgekommen ist? Zu unserem Troste stellt sich die Ver- 
deutschung von ipüzpog und ilmtpig mit Stein in den obigen und ähnlichen 
Fällen eben als unrichtig heraus. Jene Deutung kommt dem Worte zwar 
zu, doch fällt schon auf, dass besonders der glatt geriebene Stein und 
auch der polirte Edelstein damit gemeint zu sein pflegt; in unserem Falle 
ist aber 11117909, ipqtplg nichts Anderes als der altgriechische Ausdruck, der 
dem lateinischen musivus, musaicus, dem althochdeutschen und mittel- 
hochdeutschen gemuoset, gemäset vollkommen entspricht, während povdzuög, 
povueiog, vielmehr das übernommene Wort im Griechischen aus fremdem 
Stamme ist; denn zpüqzog etc. kommt von dem Verbum ipoim, welches 
wieder zermalmen, zerreiben, schaben bedeutet. Somit steht gpvduvyal 
tlmcpldsg einem mit golde gemouset oder anro musico völlig ebenbürtig 
und gleichbedeutend gegenüber. 
Wer indess noch einen Beweis brauchte, dass mit zpqqzlg keirlewtegs 
Steinmosaik verstanden werden kann, der erwäge folgende Stelle bei 
Nicephorus C. P. in breviario anno 765: toü Zmüpog und. 112511 äylwu 
ömmg äiä zßqzpläcov zgvdcäv und 1101901111012 137.179 alnovoyqaqzlug änäävde. 
Hier kann nur von goldbelegten und dann gezeichneten Glasgefäßen die 
Rede sein, wie sie Buonarotti, Osservaz. sopra alcuni framenti di vasi 
antichi de vetro etc. (Firenze 1716, pref. lll) und Garucci, vetri, ornati 
di figure in oro trovati nel cimeterio dei Christiani primitivi di Roma 
(Roma 1858, pref. p. Vll), wie sie Heraclins, Theophilus, Cennini u. A. 
erwähnen. In der Stelle bei Nicephorus unser uMosaiku wegen ipqiplg 
suchen zu wollen, wäre also derselbe lrrthum, wie er unterlief, als man 
dasselbe in Cennini's opera musaica vermuthete, wohl ist aber die An- 
bringung gemahlenen oder geschlagenen Goldes auf Glas überhaupt dar- 
unter zu verstehen. Wenn daneben nun bisweilen, wie in Synodica Orien- 
talinm apnd Theophilum imperat. pag. 113, vorkommt, povdovgyncu 
wqqzldag, so ist dies nach dem Ergebniss unserer Untersuchung eine 
Tautologie, entstanden in Folge Unkenntniss der wahren Bedeutung des 
letzteren Wortes, das hier für Würfel, Stift, Steinchen oder dergleichen 
schlechtweg genommen ist.
	        

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