MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1891 / 4)

aber grundverschieden vom Originale und an Solidität demselben nach- 
stehend. Während das echte Kaolin-Feldspat-Porzellan eine Glasur trägt, 
die wesentlich aus Feldspat selbst bestehend, äußerst strengfllissig ist 
und der höchsten Gluthen der Brennöfen bedarf - gegen 1600" - um 
dem Porzellankörper glatt aufgeschmolzen zu werden, damit aber auch 
die außerordentliche Härte erlangt, die der Stahlfeile trotzt; konnte 
das französische künstliche oder Frittenporzellan, wie oben betont, nur 
eine weichflüssige, daher auch weiche, ritzbare Bleiglasur erhalten - 
war ja dessen glasartige Masse selbst so weichfllissig, dass sie im Brande 
nur mit größter Vorsicht vor dem Erweichen, Zusamrnensinken, Defor- 
miren bewahrt werden konnte. Das Product erhielt daher auch bald den 
Namen Weichporzellan -- porcelaine tendre. 
Einen Vortheil aber bot dieser Umstand. Es konnten auf der Glasur, 
die, wie erwähnt, von ähnlichem Charakter wie das Metall-Email von 
Limoges war, sogleich die ganze Farbpalette der gerade in Frankreich so 
hoch entwickelten Emailmalerei in Anwendung gebracht, die gesammten 
Erfahrungen der Ernailkünstler zur Ausschrnlickung der Porzellane direct 
herangezogen werden. Und reizender als auf jeder sonstigen Grundlage 
kamen da Farben und Malkunst zur Geltung. Reich entfalteten sich die 
Farbtöne, weich und in einheitlichem Glanze mit der Glasur verschmel- 
zend, so dass diesen bemalten Weichporzellanen ein eigener Liebreiz 
innewohnt, den kein anderes keramisches Product aufzuweisen vermag. 
Weniger Jahre bedurfte es auch nur, und die Manufactur von 
St. Cloud vermochte sich, trotz der Schwierigkeiten, die die Masse bot 
und die nur nach und nach und mit größter Mühe beseitigt und über- 
wunden werden konnten, der besten Erfolge und eines üppigen Ge- 
deihens zu erfreuen. Nicht lange aber auch und sie hatte Concurrenz. 
Entlaufene! Arbeiter, zwei Brüder Dubois, verkauften das Geheimniss von 
St. Cloud an den Prinzregenten, Herzog von Orleans, der 1735 in Chan- 
tilly eine Porzellanmanufactur errichten ließ und unter die Leitung der 
Dubois stellte. 
Fünf Jahre darauf machten die Dubois dasselbe Manöver, ließen 
Chantilly im Stiche und flüchteten nach St. Vincennes, wo sie dem da- 
maligen Intendanten Orry de Fulvy, einem Bruder des Finanzministers 
Orry, das Geheimniss anboten. 
Sie erhielten ein Laboratorium im Schlosse angewiesen, wo sie ihre 
Proben anstellen, ihre Kunst üben und erweisen sollten. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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