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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 151)

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Anmerkung wörtlich wiedergeben zu müssen glauben "). Sodann ging 
Graf Zichy auf die Entstehung der Farniliem, Gesellschafts- und Landes- 
wappen iiber, auf das Institut der Herolde, auf das Verhältniss der He- 
raldik als Wissenschaft zur Genealogie, Nurnismatik, Jurisprudenz und 
Geschichte und skizzirte hierauf in aller Kürze die Geschichte derWappen- 
kunst von der Zeit ihrer Bllithe bis dahin, als durch Bizarrerien und 
Standeshochmuth ihr Verfall herbeigeführt wurde, dem nun in neuerer 
Zeit mehrere Vereine durch wissenschaftliche Behandlung der Heraldik 
zu steuern suchen. 
") Nach Herrn Prof. Karabacek war 
r. die älteste und einfachste national-arabische heraldische Figur die Schildtheilung 
durch den wagrechten Streifen (arabisch: isäbe, d. h. Binde). Die Farben waren 
verschieden; so gab es z. B. im 13. Jahrhundert sarazenisshe Wappenschilde, die auf 
weissenz Grunde eine grüne Querbinde trugen. Am gebräuchlichsten jedoch war die 
weisse Binde im rothen Felde. 
Dies letztere sarazenische Wappen, für welches bis in's i5. Jahrhundert mehrere 
Beispiele nachzuweisen sind, war das Urbild des österreichischen sogenannten Binden- 
schildes, des Wappens unseres Kaiserhauses. So ist jetzt also die wissenschaftliche 
Erklärung seiner Herkunft aus dem Orient gegeben, nachdem die bekannte Erzählung von 
dem blutigen Walfenrocke des tapferen Herzogs Leopold VI. vor Accon oder Ptolcmais 
von der historischen Kritik langst schon in das Bereich der Fabel gewiesen worden war. 
2. ln Tassds i-Gerusalemme liberalen, I. Gesang, 55. Stanze, heisst es: 
0 il forte Otton', che conquistb lo scudo, 
In cui dall' angue esce il fanciullo ignudo. 
Dieser Vers bezieht sich auf die Nachricht, dass Otto von Visconti sein Wappen 
aus dem Orient geholt habe, indem er sich der Sage nach auf dem ersten Kreuzzuge den 
Wappenschild eines von ihm erschlngenen Sarazenen aneignete. Das Wappen also, welches 
seitdem die Beherrscher Mailands aus dem Geschlechte Visconti führten, ist die bekannte 
geringelte Schlange, welche im Begrilfe ist, ein Kind oder überhaupt einen Menschen 
zu verschlingen. 
Eine historische Bestätigung hatte die sagenhafte Angabe Tasso's über die orien- 
talische Abstammung des Wappens der Visconti bisher nicht erfahren; auch war es bis 
heute Niemand gelungen, eine Erklärung der Symbolik in der Wappeniigur beizubringen. 
Professor Karabacek ist im Stande, an der Hand eines Denkmals nachzuweisen, dass 
l. das Urbild jenes Wappens wirklich zur Zeit der Kreuzzüge im Orient gang und gäbe 
war und dass 2. die Darstellung des sarazenischen Originals nach der symbolischen Lehre 
der Araber seinem Besitzer langes Leben, Macht und Reichthum zuspricht. Also kurz 
gesagt: der durch Otto v. Visconti erschlagene Sarazene war ein vornehmer Ritter ge- 
wesen und der annectirte Schild enthielt nach orientalischer Sitte den heraldischen Com- 
mentar dazu. 
3. Auch die Jedermann bekannte rfranzosische Lilie-i, das Wappenbild der 
Bourbonen, stammt aus dem Orient, und zwar kommt die heutige, so eigenartig stylisirte 
heral dische Form dieser Lilie lange vor den Kreuzzugen im Orient vor. 
Thatsache ist aber, dass König Ludwig Vll. von Frankreich erst bei seiner Kreuz- 
fahrt dieses sarazenische Wappenbild als eigenes Emblem adoptirte, welches dann auch 
auf seine Nachfolger überging. 
Diese sogenannte rfranzösische Lilie- ist also gleichfalls wieder eine arabische 
Blume der mittelalterlichen Heraldik. Sie tritt auch später noch, z. B. während des 
14. Jahrhunderts auf und zwar als Hauswappen der mamelukischen Sultane aus der Fa- 
milie des Nasir-ed-din Mohammed in Aegypten und Syrien. Endlich 
4. Noch ein interessantes Beispiel der Aufnahme sarazenischer Wappen durch 
christliche Adelsgeschlechter bietet das Wappen der graflichen Familie Hoyos. Aus 
Spanien stammend, ist es um so erklarlicher, dass dieses Geschlecht für sein Wappen ein 
spanisch-maurisches Emblem entlehnt hat. 
Letzteres besteht aus einer den rothen Schild schräg theilenden goldenen Binde 
(arabisch: isäbe), deren Enden von Löwenrachen gefasst werden. 
Dieses maurische Wappen gehort dem r3. Jahrhundert an und ist auf einem Decken- 
gemälde der Alhambra sichtbar.
	        

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