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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 155)

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schule getragen ist, schliesst sich in Innsbruck die Ausstellung des Fabri- 
kanten Schütz in Liboje und Olomuöan, die der keramischen Fachschule 
in Znaim und gewissermassen auch die Ausstellung des Fabrikanten 
Klammerth daselbst an; letzterer sucht hie und da eigene Wege zu 
gehen, die beiden erstgenannten hingegen schliessen sich directer und po- 
sitiver an die Wiener Bewegung an. Auch einige Fachschulen in Böhmen, 
in Tepliti und Tetschen und einige Lehrer der Staatsgewerbeschule und 
Fabrikant Wudia in Graz participiren an dieser Bewegung, sie sind 
aber auf der Innsbrucker Ausstellung nicht vertreten. 
Es sind ausschliesslich Zier- und Gebrauchsgegenstände mit figuralern 
oder rein ornamentalem Decor geschmückt, welche dem Innsbrucker Pu- 
blikum vorgeführt werden. Die Fabrication von Fayenceöfen ist wohl 
gegenwärtig in Oesterreich im Zuge, die Herren Wudia in Graz, Hard- 
muth in Budweis, Ernst und Ginzelmayer in Wien, die Wienerberger 
Ziegelfabrik machen jetzt grosse Anstrengungen und erzielen auch schöne 
Erfolge in diesem", ehemals auf deutschem Boden so glänzend vertretenen 
Fabricationszweige, der auch einstens in Salzburg und Tirol gepflegt 
wurde. Auch in grösseren üguralen Darstellungen in Fayence werden 
gegenwärtig in Wien einige Versuche gemacht. Hoffentlich wird also die 
Fayence- und Majolikatechnik in nicht ferner Zeit in Oesterreich im 
Hause der Bürger, dem Schlosse der Vornehmen, in der Kirche, im Staats- 
gebäude als Schmuck der Wände und des Mobiliars zu verdienter Geltung 
kommen. 
Aber viele unserer jüngeren Bestrebungen in Oesterreich auf diesem 
Gebiete stossen auf Hindernisse und Vorurtheile der mannigfachsten Art. 
Wenn der erste Versuch auf irgend einem Gebiete gemacht wird, so 
sagen sogleich unsere Amateurs: uDie Franzosen machen das besser und 
viel wohlfeilerx! Nun ist es allerdings richtig, dass die Franzosen die 
Fayencen und die Bronzen theilweise besser und viel wohlfeiler machen 
als wir; aber die Franzosen würden auf diese Höhe nicht gekommen sein, 
wenn sie nicht einmal angefangen hätten, wie wir anfangen müssen, und 
wenn nicht ihren ersten Anfängen die Hilfe und zwar die ausgiebige und 
intelligente Hilfe ihrer Amateurs und ihrer Staatsmänner zur Seite ge- 
standen wäre, welche genau gewusst haben, dass man die Wurzeln des 
Volkswohlstandes befestigen, kräftigen und schützen müsse! Und dieses 
Bewusstsein, das ganz Frankreich durchdringt, das fehlt noch grossentheils 
in Oesterreich, und das ist es, was in allen Kreisen wach gerufen werden 
muss, wenn wir auf volkswirthschaftlichem Gebiete erstarken und Herren 
im eigenen Hause werden wollen. Heutigen Tages sind wir auf mehreren 
Gebieten und auf nicht unbedeutenden, wie es gerade die Pariser Aus- 
stellung deutlich zeigt, weiter vorgeschritten, als es unseren ausländischen 
Concurrenten vielleicht angenehm ist, und hoffentlich wird auch die male- 
rische Decoration in Fayence und Majolika, in Porzellan und in Email 
nach und riach so erstarken, dass wir die künstlerische und kunsttechnische 
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