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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 155)

auch einige Maschinen und Rohproducte zur Darstellung gebracht worden sind, so liegt 
doch das Schwergewicht dieser Ausstellung auf der Kunstseite, und bezeichnend ist es 
zugileählh dass man nicht llzlos müdßfnqhSüciäfll mit besonderer Betonung altere Silber- 
un o waaren zur Ansc auung gebrac t t. 
Es wäre gewiss ein grosser Fehler gewesen , wenn man entweder nur moderne 
oder nur altere Stücke zur Ausstellung gebracht hatte. Eine Ausstellung, welche blos 
Vgerkä frul-llrerer Jahrlhugrldererl verginigtefl wurde ArLtiquai-e änd Kgrgstglelebrte belfriedigenä 
a er en auptzwec n ic er usste un en mc t erreic an. a er, wo a tere un 
moderne Kunstproducte sich unmittelbar begrühren, ist auch der moderne Fabricaut, der 
in der Regel kaufmännisch gebildet ist, aber von der Kunst meist sehr ungenügende 
Kenntnisse hat, im Stande, deutlich den Gegensatz zwischen heute und jenen Zeiten zu 
fühlen, in welchen das Kunstverstandniss und das künstlerische Können Hand in Hand 
mit Geschäftsltenntniss gingen. Die alten vObiets d'Art- haben eben einen bleibenden 
Werth, welcher mit den Jahrhunderten sich steigert, während die modernen Producte, wie 
sie zum Beispiele auf dieser Anstellung gewisserrnassen als Vorbilder vorgeführt gvuriien, 
nur Waaren und nichts als Waaren sind, welche in weni en Jahren zum Einsc me zen 
reif werden. Nur aelän erhebt sich ein solches Productszur Hohe eines selbständigen 
Kunstwerkes, wie es i jenen Ge enstanden der Fall ist, welche die Weihe der Jahr- 
hunderte empfangen haben. Unter gden alteren Werken würden einige Pi-achtgeiasse Augs- 
bur er Arbeit, welche der deutsche Kaiser eschickt hat, Getässe aus dem Besitze des 
Konsigs von Württemberg  Prunkgelgssegblürnberger Arbeit, würdig eines Jilxmiäitzg), 
des koni . Kunst- und Alterthumsca inets und der Staatsammlung vater an isc er 
Kunst- ungrl Alterthumsdenkmale in Stuttgart, des Gmtrnder Kirchanschatzes und nicht 
wenige Werke, welche sich im Besitze deutscher Kunstfreunde (des Fürsten von Hohen- 
zollern, Prinzen Carl von Preussen, der Rechberg, Adelberg, Sick, Taußkirchen u.A. m.) 
befinden, besonders hgrvorzuheben sein, wenn es sich darum handeln würge, aull; das 
Detail einzu e en. A er der Werth und der Reiz dieser Ausstellung liegt e en nic t in 
den Einzelargbeiten, sondern in der Tendenz der Ausstellung. Altes und Neues soll sich 
eben berühren und dadurch die moderne Industrie in eine tiefer gehende kunslgewerbliche 
Strömung hineingezogen werden. Es sollte auf dieser Specialausstellung dasjenige für ein 
besonderes kunstgewerbliches Gebiet angestrebt werden, was im Oesterreichischen Museum 
und auf mehreren Filialausstellungen (in Prag, Reichenberg, Brünn, Graz u. s. f) durch- 
geführt wurde. Mit Aufmerksamkeit verfolgen wir die kunstgewerbliche Bewegung im 
deutschen Reiche, denn sie berührt die speciellen Interessen unserer Fachindustriellen in 
Wien Pra , Gablonz u. a. O. mehr. 
y Die gtonangebende lndliätl; in Schwabisch-Gmünd erzeugt bSilbär-h und fioldarbeitän, 
Gefisse für weltlichen und irc lichen Gebrauch, vor Allem a er c muc gegenstan e. 
Alle anderen Industriezweige kommen gar nicht in Betracht. Es bringt dies mancherlei 
Vortheile mit sich. Die gewerblichen Schulen erhalten einen ausgesprochenen Charakter; 
die Arbeitskräfte wie die Fabrikanten streben Einem Ziele zu. Nirgendwo tritt eine Zer- 
s litterung der Kräfte ein. Eine von Herrn Bauer gut geleitete Ciselir- und Gravir- 
sfcihule lehrt die metallurgischen Techniken, welche für Silber- und Gcldarbeiten nothig 
sind; auch existirt daselbst eine gewerbliche Fortbildungsschule, geleitet von Herrn Bier- 
man. Ausserdem erhält ein Herr Eisele eine Privatzeichenschule in Thatiglteit. Ueberall 
zeigt sich das Bestreben, gute, bewährte Vorbilder zu benützen, altere und neuere Tech- 
niken einzuführen. Unter den Fabrikanten nimmt Herr Erhard eine hervnn-agende Stel- 
lung ein; aber auch einzelne Fabrikanten, wie Spranger und Kühn (ein Oesterreicher 
von Geburt), haben kleinere, reizende Gegenstände ausgestellt. Holbein und Flint, Jam- 
nitzer und Virgil Solis sind der gegenwärtigen Generation von Schülern und Lehrern, 
Arbeitern und Fabrikanten nicht mehr unbekannte Namen, wie dies vor zwanzig Jahren 
der Fall war; der Umschwung der Ideen-und Anschauungen in diesen Kreisen ist ein 
mächtiger und nicht mehr zu bestreitender. - Auch in dem benachbarten Pforzheim 
ist im verflossenen Jahre eine Kunstgewerbeschule eröffnet worden, speciell zu dem 
Zwecke. die dortige Biiouteriefabrication zu heben. Die Schule untersteht dem badischen 
Oberschulrathe. Es wirken daselbst zwei Lehrkräfte. Der Leiter der Anstalt ist der Archi- 
tekt Herr Waa g. Die Schule in Hanaun ist älter, auf einer breiteren Basis organisirt 
nd berücksichti nicht blos die Quincai erie. 
u Gmünd istp ein reizende: Städtchen am Fusse des Hohenstaufen und Rechberg, an 
den Ufern der Rems, mit einer Bevölkerung von 13.000 Menschen. Ehemals eine freie 
Reichsstadt, ist es nicht arm an bedeutenden historischen Denkmälern. Sie ist die Heimat 
Peter Arlers, welchen Carl IV. nach Prag zum Baue des Domes daselbst berufen hat, 
und des Heinrich von Gmünd, welcher mit der Geschichte des Mailänder Domes eng ver- 
knüpft ist. Heinrich von Gmünd und Peter Arler gehoren wohl zweifellos derselben 
Künstlerfamilie an. Die Stadtpfarrkirche von Gmünd, deren Fundament im Jahre i3_5t 
gelegt wurde , ist ein mächtiges Bauwerk von imposantervWirkung. _ Gegenwärtig wird 
auch die romanische dreischiliige Johannes-Basilika restaurirt, ein in ieder Beziehung in-
	        

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