MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 138)

nahmen der vorhandenen Bauwerke, so detaillirt als möglich, den Mangel 
an vorhandenen Zeichnungen und Plänen zu ergänzen. 
Um freilich Vieles leichter stand es mit den Graphikem, deren 
Werke grösstentheils vollständig in Bibliotheken oder auch Privatsamm- 
lungen erhalten blieben. Die Schrnutzefsche Zeit ist bekanntlich eine 
Glanzperiode der österreichischen Stecher gewesen und schliesst sich ihr 
eine stattliche Reihe von Kupferstechern und desgleichen Maler-Radirern 
bis zur Gegenwart an. Von selbst fast macht sich der moderne Theil 
der Ausstellung, zumal die Theilnahme der Künstler eine, man kann wohl 
sagen: ungetheilte ist. Somit lässt sich im ganzen Grossen jetzt schon sagen, 
dass diese Ausstellung, zumal vom "patriotischen Standpunkte aufgefasst, 
eine so interessante werden wird, wie Wien noch keine gesehen. Denn 
es ist das erste Mal, dass die österreichische Kunst unter einem so weit 
umfassenden Gesichtspunkte zur Anschauung gelangt, das erste Mal, dass 
sie gewissermassen collectiv, Phase um Phase, dem Beschauer einen Zeit- 
raum von nahezu 200 Jahren aufrollt. Wir halfen Gelegenheit zu finden, 
das heute nur flüchtig skizzirte Bild der Ausstellungsthätigkeit in der 
_neuen Akademie von Zeit zu Zeit in den weiteren Details, so weit dies 
für das Publicum von Interesse sein kann, mitzutheilen. 
Die Vloihnachts-Ausstellung im Uesterr. Museum. 
Von Jacob Falke. 
III. 
Diesem Einflusse der Zeit hat sich selbst die Fachscbule für Stickerei, 
der doch künstlerische Kräfte zu Gebote stehen, nicht ganz entziehen 
können. Wenn man der reichen Ausstellung, mit der sie uns diesmal er- 
freut, einen Vorwurf machen kann, so ist es der, dass darin die Farbe 
oder besser: das coloristische Element zu wenig berücksichtigt erscheint. 
Es ist richtig, wenn eine Schule wie diese, die ihre grosse Aufgabe ernst 
nimmt, Paradestücken für Ausstellungen entsagt, wie sie leicht durch 
Farbenaufwand geschaffen werden können, andererseits aber ist die Bildung 
des Farbensinnes bei den Schülerinnen ein integrirender Bestandtheil 
dieser Aufgabe, und diese Bildung wird am besten an den Arbeiten selber 
erreicht. 
Im Uebrigen zeigt die Schule nur in erhöhtem Grade und in aus- 
gedehnterer Weise alle die Vorzüge, welche man ihr schon früher nach- 
rühmen konnte: das systematische Vorgehen, die äusserste Sorgfalt und 
Schönheit der Ausführung, die Aufnahme so mancher fremder oder ver- 
loren gegangener Technik, die eben so wichtig wie anwendbar für Haus 
und Industrie sich erweist. Selbstverständlich ist Vieles hinzugekommen 
(z. B. die verschiedenen Spitzenarbeiten), was sie vor einem Jahre, da sie 
eben den ersten Jahrgang beendet hatte, noch nicht zu zeigen vermochte.
	        

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