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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 138)

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Jetzt erst, da sie in ihrem dritten Jahre steht, mit dessen Schluss der 
Umkreis der Arbeiten sich erfüllt, vermag man den Umfang einigerrnassen 
zu übersehen und das eigentliche Ziel zu erkennen. Was aber die prak- 
tische Wirksamkeit ausserhalb der Schulräume betrifft, so wird man sie 
erst dann wahrnehmen können, wenn die ausgebildeten Schülerinnen in 
das Lehrfach oder in die industrielle Praxis übertreten oder ihr Erlerntes 
in das Haus bringen. Uebrigens sieht man auch jetzt schon die Spuren 
davon. Ein lehrreiches Beispiel zeigt uns auf der Weihnachts-Ausstellung 
die Collection der Gewebe von Joh. Garber, in welcher unter anderen 
Gegenständen Badehandtücher ganz in der Weise, wie sie die Schule 
zuerst lehrte, rnit blauen und rothen Stickereien verziert sind. Wir legen 
auf diesen Vorgang, den ersten seiner Art, ein besonderes Gewicht. Auch 
sonst bietet die Garbefsche Ausstellung manches von unserem Gesichts- 
punkte aus Beachrenswerthe, wie die mit Roth verzierten Tischtücher 
und Servietten, die farbigen Handtücher und gestickten Bademäntel. 
Was sonst die Fachschule n, ausser derjenigen für Stickerei, auf 
die Weihnachts-Ausstellung gesendet haben, ist nur sporadischer Art und 
erlaubt kein Urtheil, weder über ihre Leistungsfähigkeit, noch über den 
Gang ihrer Entwicklung. Um zu einem solchen Urtheile zu gelangen, 
muss man eine neue specielle Ausstellung ihrerseits abwarten. Das Meiste, 
das von ihnen geschickt worden, bewegt sich im Gebiete der Möbel: 
Wenger, Leiter der Schule in Mondsee, Greil, jener in Hallstadt, 
haben ein paar treffliche, mit geschnitztem Ornament bedeckte Kästen 
ausgestellt, jener auch Rahmen, dieser ein paar wohlgebaute Sessel aus 
lichtem Holze von der Gattung der Bauernsessel. Die Spielwaarenschule 
in Katharinaberg hat auch diesmal der Jugend gedacht. aber mehr für 
den Ernst als für den Scherz. Mehr denn hundert treu ausgeführte und 
lebendig bewegte Thierfiguren sind vorzugsweise für den Unterricht 
bestimmt. 
Die Möbel auf der Ausstellung machen überhaupt eine gute Figur. 
Sie sind zahlreicher und auch besser erschienen als früher. Vielleicht 
wäre es rathsam gewesen, wenn die Herren Aussteller mehr die Weihnachts- 
Ausstellung als solche im Auge gehabt und sie vorzugsweise mit kleineren, 
leichter bei dieser Gelegenheit verkäuflichen Gegenständen beschickt hätten; 
indessen thut das dem Werthe und Interesse des Vorhandenen, das zum 
Theile sehr kostbarer Art ist, keinen Abbruch. Leider erlaubte der ver- 
fügbare Raum nicht, den Wünschen derer vollkommen gerecht zu werden, 
welche gern ganze Zimmereinrichtungen ausgestellt hätten. Vielleicht 
liesse sich ein anderes Mal bei rechtzeitiger Anmeldung auch dafür Aus- 
kunft finden. 
Indessen sehen wir doch Fragmente dieser Art, die uns wenigstens 
die Idee vom beabsichtigten Ensemble geben. So gewährt uns Schenzel 
den Eindruck eines sehr vornehmen Zimmers durch die Wanddecoration 
in blauer Seide nebst den entsprechenden Sesseln in applicirter Stickerei.
	        

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