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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 138)

Schönthaler führt uns sehr verschiedenes Mobiliar vor Augen, zum 
Theile sehr reicher Art rnit eingelegter Arbeit, Alles aber aus dem gleichen 
Geiste geschaffen und wohl harmonirend. Unter den Armsesseln dürfte 
insbesondere einer von braunem Holze mit grünem Samrnt vor allen 
anderen den Vorzug der Behaglichkeit und Bequemlichkeit bei guter Form 
verdienen, - eine Eigenschaft, die, obwohl sie den eigentlichen Zweck 
in sich enthält, dennoch von den meisten Sitzmöbeln unserer Zeit nicht 
getrotfen wird. Diese Schönthalefschen Sessel haben auch den Vorzug 
der richtigen Hachen Polsterung, denn es ist gänzlich verkehrt, wie unsere 
heutigen Tapezierer thun, aus dem gepolsterten Sitze ein Gewölbe zu 
machen und den Inhaber zu zwingen, sich auf die convexe Seite desselben 
zu setzen. Auch der Architekt Theyer gibt in glücklicher Zusammen- 
stellung von Kästen und Sesseln nebst Spiegeln und Vorhangsdecoration 
die Idee eines eben so künstlerischen wie behaglichen Zimmers. Mehrere 
andere von ihm entworfene Möbelstücke, die von lrmler ausgeführt worden, 
legen ein Zeugniss ab, dass Theyer ein ausgesprochenes Talent für styl- 
volle, zugleich vornehme und behagliche Ausstattung besitzt. In diesen 
Arbeiten, die sich mit grossem Geschicke an die spätere deutsche, insbe- 
sondere niederdeutsche Renaissance anschliessen, lebt ein glückliches Gefühl 
für Wohnlichkeit, was die meisten Architekten nur zu häufig vermissen 
lassen, wenn sie auch die innere Einrichtung schaffen. Diesen nach 
Theyers Zeichnungen ausgeführten Gegenständen stehen jene, welche 
lrmler selbstständig geschaEen hat, würdig zur Seite. Wir können nur 
wünschen, dass der hier eingeschlagene Weg mehr und mehr allgemein 
werde. Auch stehen diese Möbel auf der Weihnachts-Ausstellung nicht 
vereinzelt da: die, Sessel von Tremmel so wie ein Bücberkasten nach 
Zeichnung des Architekten Bolle und einige Sessel, welche der Decorateur 
Grohs zusammen ausgestellt hat, fallen ganz in die gleiche Richtung. 
Der Bibliothekschrank verschliesst seine Oeffnung durch einen reizend ver- 
zierten seidenen Vorhang, - eine ungleich günstigere Lösung als jene 
mit weiss decorirtem Glase, welche wir noch an einem Schreibkasten 
Oerley's sehen. Dieses unruhige, kalte Glas ist geeignet, jede farbige 
Harmonie zu zerstören. 
Dass dieser Styl der späteren Renaissance, der allein ein für uns 
brauchbares Mobiliar geschalfen hat, mit den durch unser modernes Leben 
bedingten Abänderungen, in unserer Wohnung zur Herrschaft gelangen 
wird, das scheint uns fast schon ausser Zweifel zu sein. Wo man heute 
für eine Ausstellung etwas Besonderes schaffen will, da geschieht es in 
dieser Richtung und die Ausstellungsgegenstände püegen die Vorboten 
der Mode zu sein. Auch auf der Weihnachts-Ausstellung fällt Alles an In- 
teresse und Werth gegen sie zurück, was noch an die alte Schablone er- 
innert, und man erfreut sich höchstens an der schönen Ausführung. So 
ist es mit den Möbeln in eingelegter Arbeit von Philipp Schmidt und 
Alexander Albert.
	        

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