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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1877 / 141)

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Der Status der Lehramts-Candidaten ist zum Zwecke der Kenntniss- 
nahme seitens des Aufsichtsrathes in fortwährender Evidenz zu halten und 
desgleichen am Jahresschlusse dem Ministerium davon Mittheilung zu 
machen. 
ä. 10. 
Für die Candidatinnen des Zeichenlehramtes für jene Anstalten, wo- 
selbst Lehrerinnen Anstellung finden können, werden besondere Verord- 
nungen gegeben werden. 
Die Anfänge der llanufactur- und Graveurschule (l758-I772). 
(Aus der Geschichte der kaiserlichen Akademie der Künste in Wien von K. v. Lützow. 
Wien, C. Gerold's Sohn.) 
Die Geschichte des kunstgewerblichen Unterrichts in Oesterreich ist 
im Detail noch wenig erforscht. Nur soviel weiss man, dass bereits bald 
nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts sowohl allgemeine Handwerker- 
Fortbildungsschulen, als auch specielle gewerbliche Fachschulen bestanden i). 
Eine Anzahl der ersteren Gattung in Wien verdankt dem Fürsten Kaunitz 
ihre Entstehung. Als derselbe Botschafter am französischen Hofe war 
(1750-52), richtete er eine Vorstellung an den Hof-Commerzienrath, in 
welcher dargethan wurde, wie nothwendig die Errichtung einer Schule 
für Fabrikanten sei. Sie sollte ein Mittel sein, um Oesterreich von der 
Production des Auslandes unabhängig zu machen. Als Director der Schule 
brachte Kaunitz den in Paris gebildeten Florian Zeiss in Vorschlag und 
am ll. Jänner 1758 konnte diesenden Unterricht beginnen. lgnaz La- 
minger fungirte neben Zeiss als Adiunct und erhielt später die'Lehr- 
stelle. Protector war Thacldäus Freiherr von Reischac h. Den Charakter 
der Anstalt schilderte Fuhrmann") richtig, wenn er sagt, dass daselbst 
„nicht nur eine gewisse Anzahl Söhne von Wienerischen Bürgern zur Er- 
lernung der Zeichnungen, welche zu Commerzial-Professionen gehören, 
unentgeltlich unterrichtet und jährlich nach erwiesenem Verdienste an's 
allerhöchster Milde mit Prämien beschenkt werden, sondern dass alle an- 
deren Professionen und Handwerker, welche auch nicht unter der Commer- 
zial-Obrigkeit stehen, dennoch in dieser Akademie unterwiesen werden 
können". - Es war also eine Zeichnungs- und Handwerker-Fortbildungs- 
schule allgemeinen Charakters. Die Schulordnung ist uns in den Acten 
der Akademie erhalten. Danach wurde der Unterricht an die Schüler drei- 
mal wöchentlich, im Sommer von 7-11, im Winter von 9-12 Uhr er- 
') Vergl. G. Kosak in W. Fr. Exner's Beiträgen zur Geschichte der Gewerbe 
und Erfindungen Oesterreichs, Wien, 1873, ll. 208-215. 
1) Beschreibung der Residenzstadt XVien. lll. 330. Demzufolge befand sich die Schule 
irn Jahre 1770 „ auf der hohen Brücke im Stadtanwaldischen Hause".
	        

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