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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 8 und 9)

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ÜBER ALTE WIENER BRUNNEN 50' VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN Sie 
S ist schön und vielsagend zugleich, daß das 
Wort „Quelle" ebenso wie das ehemals gleich- 
bedeutende „Brunnen" nicht nur das lebener- 
haltende Element bezeichnet, wo es der mütter- 
lichen Erde entspringt, sondern zugleich für 
den Ursprung aller Eigenschaften und Tätig- 
keiten, aller Kraft und allen Lebens in Anwen- 
dung kommt. 
Mit dieser tieferen symbolischen Bedeutung, 
mit dem hohen Wert des Wassers für den 
menschlichen Haushalt, hängt es wohl auch zusammen, daß die Menschen 
die Stelle, wo sie dasselbe fanden, den Ort, wo sie es sammelten und zur Benüt- 
zung gaben, hoch hielten und stets zu schmücken und sinnvoll auszugestalten 
suchten. Der bildenden Kunst ist es leicht geworden, in unendlicher Mannig- 
faltigkeit diese Aufgabe zu lösen, weil der hohe Reiz der Erscheinung, 
welcher der Wasserfiäche innewohnt und die Gestaltungsfähigkeit des flüs- 
sigen Elementes ihr entgegenkamen. Dichtkunst, Legende und Sage haben 
auch so vielfach die Ereignisse festgehalten, die mit der Bedeutung des Brun- 
nens, der Quelle verbunden sind, daß auch dadurch wieder Anregung und 
Ansporn gegeben war für plastische Gestaltung, für Denkmale. 
Es heißt, daß Kaiser Matthias auf einem jagdzug in der Nähe des Gatter- 
holzes bei Wien 161g ein prächtiges Trinkwasser fand, das er den „schön 
Brunn" nannte. Auch seine Nachfolger haben die Quelle wert gehalten und 
sie mag nicht wenig dazu beigetragen haben, daß in ihrer Nähe Bauten ent- 
standen. Heute ist sie eingeschlossen von der herrlichsten alten Parkanlage 
unserer Monarchie und das prächtige Schloß, zu dem sie gehört, trägt seinen 
Namen: Schönbrunn. 
Die prunkliebende Zeit, welcher diese Anlage ihre Entstehung verdankt, 
hat es besonders gut verstanden, den Reiz des Wassers in großem Stil aus- 
zunützen. Und wenn auch bei uns nicht so immense Mittel verwendet 
wurden, wie bei dem Urbild dieser Art, im grandiosen Versailles, so besitzt 
doch auch Wien im trefflich erhaltenen Schönbrunner Park ein glänzendes 
Denkmal. Der Garten beim Sommerpalast des Fürsten Schwarzenberg, 
jener beim ehemaligen Lustschloß des Prinzen Eugen nebenan (dem „Bel- 
vedere") sind weitere Wiener Zeugen der Freude, welche die Architekten 
und Garteningenieure des XVIII. jahrhunderts am künstlerischen Gestalten 
des Brunnens und der Wasserkünste überhaupt hegten. 
Artesische Brunnen, Schöpfbrunnen und eigens angelegte kleine 
Wasserleitungen kostspieliger Art waren die technischen Hilfsmittel, welche 
einst zur Verfügung standen, als der große Bedarf so luxuriöser Betriebe 
noch ungewöhnliche bauliche Leistungen verursachte. 
 
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