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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 8 und 9)

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heit in der Wahl der Mittel ge- 
stattet sich Eugene Aumaitre in 
Paris, der auf einem Kalbleder- 
band illustrierende Szenen nicht 
nur treibt und schneidet, sondern 
mit dem Glühstift und durch Be- 
malung weiter ausführt. Auch im 
farbigen Ledermosaik bringt er 
eigenartige Wirkungen hervor, so 
in einem Bande aus braunem Ma- 
roquin mit eingelegten Wolken- 
streifen, über welche Blatt- und 
Blumenzweige flott hingeworfen 
sind, wobei freilich etwas zu bi- 
zarre koloristische Stimmungen 
unterlaufen. 
In diesen zum Teil von 
Künstlern oder künstlerisch be- 
gabten Dilettanten ausgeführten 
Stücken tritt das Handwerks- 
mäßige vollkommen zurück. Die 
Technik ist zu Kunstwerken von 
ganz subjektivem Gepräge aus- 
genützt, in einer Freiheit, die man 
g , sonst weder in Deutschland noch 
Bunte Ofenkzchel mit der "Geometrien". Zirka 155a, Wels? in England findet. Daneben wird 
Arbeit des Meisters Hans Vinckh? Museum Linz aber auch die historischeRichtung 
kultiviert und neben den Stilen, welche die Franzosen als speziell nationale 
ansehen, die des XVII. und XVIII. jahrhunderts, auch Grolier und Henri 
deux nachgeahmt. Geschmack und technische Sorgfalt haben dabei kleine 
Kabinettstücke geschaffen, wie einzelne Grolier-Bändchen der Damen Sigrid 
Kristiansen und Elisabeth Scarborough, die beide in Paris tätig sind, Rene 
Kieffers und Chambolle-Durus, der Holbeins „Totentanz" in braunem Maro- 
quin gebunden und die Innenseite auf rotem Grunde mit Bandwerk im Grolier- 
Stil, mit Kartuschen und Arabeskenranken aus Azure-Stempeln ausgestattet 
hat. Sehr fein ist auch sein Einband zu der von Ch. Eisen illustrierten 
„Eloge de 1a folie", rotes Maroquin mit einem reichen Bandmuster im 
Rokokostil, hergestellt aus kleinen Stempeln mit Emblemen und dem Brust- 
bild eines Schalksnarren. Auch gotische Motive werden mit leichter Moderni- 
sierung benützt. 
In Deutschland haben sich zahlreiche Buchbinder, nachdem sie ihre 
Technik an alten Mustern geschult, von der Kopistenarbeit frei gemacht und 
mit Benützung der I-Iandvergoldung und farbiger Lederauflage neue groß- 
zügige Muster von feinem Schwung der Linien geschaffen, welche die ältere
	        

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