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Volltext: Monatszeitschrift IX (1906 / Heft 8 und 9)

den kühlen Augen hinter schar- 
fen Gläsern, dies wieder über- 
schattet von dem breiten Rand 
des Wotanhutes, das verrät 
eine sichere energisch kompo- 
nierende Hand. 
Will man aus diesem 
Massenaufgebot noch weiter 
gruppieren, so könnte man eine 
Reihe dekorativer Tempera- 
mente zusammenstellen, Ama- 
teure malerischenßric-a-Bracs, 
die gern mit alten oder exoti- 
schen Stilen spielen und die 
schönen Masken des Ge- 
schmackskarnevals lieben. 
Friedrich Stahl hat sich 
nach dem schillernden Frou- 
Frou mondänen Lebens, nach 
dem Clinquant der Blumen- 
korso und dem Konfettigeflim- 
mer Nizzaer Frühlingsfeste in 
ein Altflorentiner Gewand dra- 
piert und mit vielem Ge- 
schmack und der Kenntnis des 
Sammlers arrangiert er deka- 
meronische Gartenszenen über 
das Thema „Die Villa des 
Boccaccio". Er mischt ge- 
blümte Rasenteppiche mit 
Marmor, läßt edle Architek- 
Ausstellung der Wiener Kunstgewerbeschule. (Uran im Hil-Rergl-und gegen 
Dekorative Malerei in drei Farben. entworfen und ausgeführt von Franz 
Dellavilla (Mallina-Schule) 
blauen Himmel steigen. Frauen 
schlingen einen Reihn, rote 
und grüne Botticelli-Kleider wallen, das Feuerwerk eines Papageis schwirrt dazwischen. 
Oder auf einem anderen Bilde wird in ähnlicher Szenerie ein Paar von Putten mit 
einem großen Kranz umwunden. Das jauchzendc Seidenrot des Frauengewandes klingt 
aus dem weichen, zärtlichen, samtigen Dunkel und darüber leuchtet blaß ein schmales 
Ghirlandaio-Gesicht. 
Solche Temperamente können sich am freiesten und ihrer Neigung gefälligsten im 
Stilleben bewegen. 
So setzt Hans Looschen einen farbigen Winkel Curiosites zusammen mit einer 
japanischen, violett seidengekleideten Puppe im Mittelpunkt. 
Eine andere Bibelot-Variation bringt eine blaue preziöse Porzellanfigur auf einer 
Rokoko-Kommode, das Ganze in verwischter dämmeriger Beleuchtung gehalten, auf grünem 
Wandhintergrund, auf dem matt ein Goldbronze-Blaker schimmert. 
Sehr feinschmeckerisch ist die Variation in Weiß von Albrecht, aus weißen Rosen 
warm über kühl-weißem Samt rieselnd, mit den Akzenten des zierlichen schwarzen Lack- 
kastens, aus dem Perlenschnüre hängen, und der weißgrünen, porzellanenen Krinolinen- 
iigurine auf mattrosa Tapetenhintergrund. 
Zum Farbigen bringt das Zeichnerisch-Ornamentale der Geschmacksinn von Hans 
Neumann, der einenweißen russischenWindhund etwas merkwürdig in bläulichen Wasser-
	        

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