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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 11 und 12)

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Gewänder gehüllt, die einzelnen Falten sind scharf geschnitten und verlaufen 
zickzackartig an den Säumen. Die Füße sind kaum gegliedert und zeigen 
sowohl in Venzone wie auch in Grado dieselbe stumpfe Form. Wir können 
unseren Vergleich mit demselben Erfolg auch an den andern Figuren der 
Kanzel fortsetzen: wie für das Symbol des heiligen Matthäus finden wir in 
Venzone auch für die anderen Gestalten schlagende Parallelerscheinungen. 
Wir brauchen nur die Tetramorphen des linken Seitenportales dieser Kirche 
heranzuziehen. Auch hier dieselben glotzenden Augen, die stark abseits- 
stehenden Ohren, die niedrige Stirne. Die Tierdarstellungen unserer Kanzel 
nähern sich in der rohen Leere, die ihnen eigen ist, noch mehr den Figuren 
Abb. 8. Venzone, Dorn, Portal des Hauptschiffes 
des Gemonenser Portaltympanons. Es ist ein und dieselbe zurückgebliebene, 
ins Rohe übertragene Kunst, ein charakteristisches Beispiel für die Zähig- 
keit, mit welcher in abgelegenen Orten stilistische Motive der Vergangenheit 
festgehalten und verwertet werden. 
Wir dürfen aber die Reliefs der Kanzel in Grado nicht als eine Prämisse 
für jene in Venzone und Gemona ansehen. Nicht Grado ist im Besitz der 
hohen Kunst, die dann in der Provinz vergröbert wiedergegeben wird. Das 
Verhältnis dürfte wohl ein anderes sein! Die Skulpturen von Gemona und 
Venzone, die als Nachklang der großen architektonischen und bildhaueri- 
sehen Tätigkeit des oberitalienischen XII. und XIII. Jahrhunderts zu be- 
trachten sind, scheinen mir aber in einem indirekten Verhältnis zu dieser zu 
stehen. Jenseits der Alpen, in Kärnten und Salzburg, wofür der Dom in 
Gurk und die Franziskanerkirche in Salzburg erwähnt sein mögen, hatte der
	        

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