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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 11 und 12)

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Abb. g. 
Venedig, San Marco, Bogen über der Tür zum Tesoro 
(PhonAlinari) 
oberitalienische Einiluß 
bereits im XIII. Jahrhun- 
dert gewirkt, so daß mir 
zu glauben berechtigt er- 
scheint, in Gemona und 
Venzone, somit auch für 
Grado, eine Rückwirkung 
dieses Einflusses anzu- 
nehmen, eine von Norden 
kommende Welle, die am 
Anfange des Trecento 
kümmerliche Spuren der 
einst entlehnten großen 
Kunst, am südlichen Fuße 
der Alpen hinterläßt. Die 
alte Heeres- und Handels- 
straße mag diesen Einiluß 
vermittelt haben. 
Als Ergebnis dieser 
Erörterung können die 
Kanzelreliefs von Grado 
nur als eine ' gleichzeitige 
und vielleicht auch noch 
spätere Parallelerschei- 
nung oder Folge der Por- 
talskulpturen von Gemona 
und Venzone betrachtet 
werden. Was für manche 
Kunsthistoriker das Produkt der „römischen Verfallszeit" oder der „Völker- 
wanderung" war, entpuppt sich nun als eine zurückgebliebene, provinzielle 
Arbeit, die, gegenüber von sicher datierten Parallelbeispielen, frühestens 
ganz an das Ende des XIII. Jahrhunderts versetzt werden kann. 
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Dadurch hätten wir einen sicheren Anhaltspunkt für die Datierung der 
Reliefs der Kanzel gewonnen. Indem wir uns dafür Sicherheit geschafft 
haben, ergibt sich das Weitere von selbst, die gotische Sechspaßgrundform 
der Kanzel findet ihre Erklärung, und die Frage drängt sich auf, ob wir 
wirklich blind der Behauptung Eitelbergers folgen und zwei Perioden für 
die Entstehung der gesamten Kanzel annehmen sollen. 
In dem Augenblick, wo wir nun wissen, daß die Reliefs am Ende des XIII. 
oder am Anfang des XIV. Jahrhunderts entstanden sind, liegt stilistisch kein 
Hindernis vor, die Dachbekrönung der Kanzel in diese Zeit zu datieren. Um 
aber auch hierfür das passende Material zu Finden, müssen wir den anfangs
	        

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