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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 11 und 12)

verständnisvollen Plastiker gefunden, in dem 
die Beweglichkeit und das Temperament der 
Wiener Barockzeit anzuklingen schien. Seine 
Eignung, sich einem architektonischen Rah- 
men einzufügen, hat ihn auch später noch mit 
Architekten und Bauwerken zusammenge- 
führt. So hat er dem Nußdorfer Schleusen- 
bau Otto Wagners die prächtigen Löwen ge- 
geben und der Peterskirche das große Relief 
eingefügt. Er liebte Reliefs von starker ma- 
lerisch-naturalistischer Art, in denen aus 
einem Rachen Grunde heraus bis zur Voll- 
plastik alle Wirkungsmittel angewendet wer- 
den konnten so schmückte er auch das Abb. 7. jonas sitzt betend vor Ninive, Holzschnitt 
Grillparzer-Denkmal im Wiener Volksgarten von H. s. Beham 
mit bewegten Reliefs, die seine Art charak- 
terisieren. Erst in letzter Zeit hat Weyr an den Denkmälern Wiens eine selbständige 
Beteiligung gefunden, und die Figur Canons sowie das Brahms-Denkmal geben Zeugnis 
dafür, wie sich in seinen reifsten Jahren ein würdiger Ernst entwickelte. Immerhin blieb 
er auch da jener realistischen Tradition treu, die vor dem Eintritt der modernen Bewegung 
die Wiener Plastik beherrschte. Für diese Periode wird Weyr als einer der produktiven 
und typischen Repräsentanten gelten. 
 
an. x mum 
DENKMAL DER GRÄFIN ANDRÄSSY. Der Vorgarten des städtischen 
Waisenhauses auf der Hohen Warte im Parke der Villa, welche einst der Familie 
Andrassy gehörte, hat einen neuen Schmuck erhalten. Dem Andenken der Gräfin F.Andrassy 
wurde ein Denkmal errichtet, das vor dem Neubau an sehr markanter Stelle inmitten 
eines ansehnlichen dreieckigen Platzes zwischen zwei konvergierenden Straßenzügen Auf- 
stellung fand. 
Professor Bitterlich hat die Aufgabe reizvoll gelöst. In Dimensionen und Aufbau fügt 
sich das würdige Denkmal gut in die unmittelbare Umgebung, welche einen künstlerisch 
erfreulichen Anziehungspunkt sehr nötig hatte. 
Eine Charitas, verkörpert durch die anmutig bewegte Hauptfigur des Denkmals, neigt 
sich zu einem Kindlein, das auf dem reliefgeschmückten Sockel kniet. So wird die Sil- 
houette von der frei erfundenen Frauengestalt beherrscht. 
Die Erinnerung an jene Frau, deren Andenken die ganze große Anstalt gewidmet 
wurde, bleibt durch das Porträtrelief lebendig. Der Wohltätigkeit selbst gilt aber das Haupt- 
motiv, und damit hat der Künstler sich die Beherrschung des Aufbaues frei gehalten. Er hat 
seine ganze Kraü in jener Gestalt konzentriert, deren edler Umriß nun sein Denkmal aus 
der Umgebung heraushebt. 
Dieses wird durch schöne Verhältnisse und würdigen Inhalt so zum Mittelpunkt der 
ganzen Gartenanlage, welche erst jetzt mehr wurde als ein durch Straßenkreuzungen 
gebildeter Vorplatz. 
UNSTSALON HELLER. MAX WOELFLE. EMMY ZWEYBRÜCK. 
In dem kleinen Raum, der schon manchen anziehenden, wenn auch begrenzten Über- 
blick über künstlerische Einzelleistungen geboten, hat l-I. Heller wieder eine kleine Schau 
veranstaltet. Er hat dem Graphiker Max Woelfle und der Kunstgewerblerin Emmy Zwey- 
brück Wände und Vitrinen zur Verfügung gestellt. 
Man muß konstatieren, daß diesmal Max Woelfle mehr den femininen und Emmy 
Zweybrück mehr den maskulinen Künstlertyp repräsentiert. Der aus dem „Simplicissimus" 
und aus Buchillustrationen bekannte Künstler gehört jener Gruppe an, die dem bizarren
	        

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