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Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 11 und 12)

Wenn in allen Kunstepochen die Verkündung großer Augenblicke und Vorgänge der 
Weltgeschichte zu den vornehmsten Aufgaben gezählt hat, so wird die große Zeit, die 
wir jetzt durchleben, sicherlich einmal auch die kraftvollen Künstler finden, die das 
ungeheuere Geschehen künstlerisch zu fassen vermögen. 
In diesem heftigst aufgewühlten Empfinden des Tages gibt der Blick, der auf die 
ehrwürdige Gestalt des friedliebendsten Monarchen gerichtet ist, zugleich Beruhigung und 
Erhebung. 
In ihm und seinem Wirken sind jene Kräfte gesammelt, welche eine ungewöhnlich 
lange und friedensreiche Regierungszeit erfüllten. Zu dieser friedvollen Erscheinung wenden 
sich darum gern alle jene, welche in der Unrast des Tages Sammlung und Ausgleich 
der Kräfte erstreben. 
EIHNACHTSAUSSTELLUNG FÜR DIE KRIEGSFÜRSORGE. 
Im I-Ialbstock des Equitable-Hauses sind einige intime Räume mit einer Ausstellung 
von Kunstwerken gefüllt, welche in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt wurden. Es gilt 
das Weihnachtsfest der Soldaten im Felde vorzubereiten. Eine ganze Reihe angesehener 
Persönlichkeiten aus den Kreisen der Wiener Künstler-Damen und Herren-Graphiker, 
Maler und Kunstgewerbler, ohne Betonung einer besonderen Richtung der Anschauungen 
haben sich mit Beiträgen eingefunden, denen eine freundliche Aufnahme durch die wohl- 
habenden Kreise lebhaft zu wünschen ist. 
Die Mannigfaltigkeit des Gebotenen erleichtert die Beteiligung; die gute künstlerische 
Qualität verschiedener Stücke bürgt dafür, daß hier die Wohltätigkeit auch ihren irdischen 
Lohn findet. Und gerade weil einerseits die vorhandenen Arbeiten den Wünschen undBedürf- 
nissen verschiedenartiger Neigungen und nicht zu anspruchsvoller Kunstfreunde andrer- 
seits entgegenkommen, wird der erhoffte Erfolg wohl auch leicht erreicht werden können. 
KLEINE NACHRICHTEN S0- 
ÜNST IM KRIEGE. Die Ausstellungen, die um diese Zeit sonst veranstaltet 
wurden, beginnen nur zögernd ihre Tätigkeit. Voran ging das Künstlerhaus, das, 
dem Kriegsgenius der Stunde huldigend, eine Bildersammlung zur Schau bot, die zwar vom 
Kriege handelte, der aber der Genius mangelte. 
Unter diesen stoHlichen panoramahaften Darstellungen, die im Grunde Atelier- 
manöver sind, und die nicht lebendiger wirken, auch wenn A. von Werner 1870 lebendig 
zwischen den Schlachten dabei war, fällt malerisch angenehm die Arbeit Lünstroths auf. 
Wir sahen schon im Sommer in der „Großen" ein gutes Stück von ihm: graufröstelnde 
Morgenfrühe, im Feld schlafend hingewälzte Truppen, das Gewehr im Arm, darüber auf- 
steigend am Horizont der wolkig in Mantelfalten stehende Wachtposten. Ausbeute der 
Waffenübung des „Sommerleutnants" war das, hier begegnen nun Skizzen aus dem 
gleichen Umkreis : Abendstimrnung voll schurnmrigen Graugrüns beim Marketenderwagen 
mit dem runden luftschiifartigen Plan; Biwak xnit Kochfeuerlohe, die über blaurote 
Soldatengruppen flackert. Lünstroth ist jetzt mit draußen in der Front, er wird nun nach 
den Generalproben das ernste Spiel kennen lernen, und das möge ihm und seiner Kunst 
gut bekommen. 
Bei Paul Cassirer, der selbst beim freiwilligen Automobilkorps im Westen ist, sieht 
man eine Auslese friedlich farbenreicher Gemälde von vier wehrhaft und feldgrau Gewor- 
denen - mit dem Pinsel Sezessionisten, mit den Waffen jetzt in Reih und Glied. 
Hier hängen beieinander die mit zartestem Farbensinn und seltenster Feinschmeckerei 
für die Reize keramischer Flächen und schillernder StoEe gebundenen Stilleben Breyers, 
der statt der bildenden Kunst jetzt mit robusterem Griff die ausbildende, also mehr ange- 
wandte Kunst bei jungen Rekruten übt. 
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