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Full text: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 11 und 12)

v1.1 
kunst, schwarz und weiß. Sie faßt impressionistisch auf und hält dabei lapidar fest. Ihr 
Patron scheint der tacitäische Stilist, der Generalquartiermeister von Stein, der für_unsere 
bewundernde Freude zu früh vom Hauptbuchamt des Krieges zur Tat fortberufen wurde. 
Ihn grüßt denn auch das jüngste Blatt mit dem Vers: - 
Von Stein, Infanteriegeneral 
Schrieb Feldbriefe stark wie aus Stahl, 
Stählern, da die Front ihn begehrt 
Schreibe jetzt sein Schwert. 
Wesentlich an diesen Flugblättern erscheint, daß sich hier, anspruchslos auftretend. 
eine neue Monurnentalkunst regt. In einigen Lithographien von Otto Hettner: „Die erste 
Fahne", „Zerschossene Batterie" spürt man, wie chaotisches Gewühl zerkrampfter Leiber, 
Sattelsturz, geballtes Durcheinander von Menschen und Pferden zu höherer Form 
gebändigt wird, und das Gedächtnismal für Frank wird zum Lebenssinnbild einer frucht- 
baren Einheit von Krieg und Friedenswerk. 
Leichtere Spiele tummeln sich daneben. Die so echt erfaßten Tiere Gauls, die früher 
ihr Leben an sich vegetierten, werden jetzt, wie so manche andere zweibeinige Kreaturen 
Gottes politisch, und die deutschen Adler fegen über russischen Bär, britischen Leu und 
gallischen Hahn hin wie Ungewitter und daß sie zu so ungewohntem allegorischen Dienst 
„eingezogerW wurden, verringerte ihre Natürlichkeit mitnichten. 
Sehr lebhaft betätigt sich bei diesem guten Werk, das übrigens zu gemeinnützigen 
Zwecken für fünfzehn Pfennig vertrieben wird, Max Liebermann. 
Seine Stärke ist die visionäre und doch leibhaftige Wiedergabe der wogenden Massen 
der Straße voll zitternden Erregungsrhythmus: die Menge vor dem Schloßbalkon, auf dem 
der Kaiser spricht, das Gedränge um die Extrablätter in der Abendstunde, finstere dahin 
sich schiebende Gefangenenzüge. 
Und solch ein „Liebermannstück" sah ich in Wirklichkeit, als ich von Cassirer und 
den friedlichen Bildern der Soldaten gewordenen Maler auf die Viktoriastraße hinaustrat; 
einen langen Remontetrupp ausgehobener Pferde, Schecken, Füchse, Falben, mit Kreide- 
zahlen an der Flanke, voll Gewieher und Gestampf und in die Zügel steigend am Halfter- 
griff sich anstemmender Burschen. Dazu ratterten oben im Blau die Propeller eines Luft- 
schiffes über die Viktoriastraße, ein glückhaftes Omen . . . Da vergaß ich die stillen Bilder 
und fühlte voll Erregung Euphorion, den Krieger und Flieger: 
Träumt ihr den Friedenstag ? 
Träume, wer träumen mag. 
Krieg! ist das Losungswort, 
Sieg! und so klingt es fort. Felix Poppenberg 
ÜRDERASIATISCHE KNÜPFTEPPICHE. Von dem, allen Forschern und 
Kunstfreunden wohl vertrauten, Buche Wilh. Bodes über „Vorderasiatische Knüpf- 
teppiche aus älterer Zeit" liegt eine neue von Ernst Kühnel umgearbeitete und erweiterte 
Auflage vor} Über die Bedeutung der ursprünglichen Arbeit braucht hier wohl__nicht 
erst gesprochen zu werden, denn sie bildet neben den Veröffentlichungen des k. k. Oster- 
reichischen Handelsmuseurns, des k. k. Osterreichischen Museums, den Untersuchungen 
Alois Riegls und denen des Schweden F. R. Martin sowie einiger Engländer und Amerikaner 
nicht nur bis heute die Grundlage unserer Erkenntnis, sondern wird sie wohl noch auf jahre 
hinaus bleiben. Es war darum auch sehr erwünscht, dieses Werk, das wohl schon seit 
längerem vergriffen ist, unter klugerI-Iinzuziehung aller neuen Forschungen und Erkenntnisse 
uns von neuem zugänglich zu machen. Die Hauptgliederung des alten Buches wurde 
gewahrt, ja vielleicht noch deutlicher gemacht. Auch im Wortlaute selbst konnte sehr 
vieles völlig unverändert bleiben; doch wurden schon aus dem ersten Hauptkapitel über „die 
persischen Tierteppiche" einige Abschnitte, wie der über die sogenannten „Polenteppiche", 
"f Leipzig, bei Klinkhard! und Biermann, 1914.
	        
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