MAK

Volltext: Monatszeitschrift XVII (1914 / Heft 11 und 12)

schildert, wie die chinesischen den europäischen Figuren weichen müssen, und nennt diese 
Art der Dekoration die vornehmste und künstlerisch höchststehende Gattung der vor- 
kaiserlichen Zeit. Daran schließt er die Besprechung der damals in Wien häufig aus- 
geführten Malerei in Schwarzlot, Eisenrot und Bisterton. 
Als Du Paquier, der Gründer der Wiener Fabrik, diese 1744 an den Staat verkaufte, 
waren die schweren Lehrjahre beendet; mit der „Kaiserzeit" begann die eigentliche 
Ruhmesperiode. Diese wurde zunächst durch allerhand technische Verbesserungen vor- 
bereitet. Nunmehr bekannte man sich auch in Wien zu den Rokokoformen, denen gegen! 
über man sich verhältnismäßig lange spröde verhalten hatte. 
Folnesics unterscheidet hierbei ein nur spärlich auftretendes, wahrscheinlich auf den 
Bildhauer Ludwig Lück zurückzuführendes, zierliches und ein in zahlreicheren Beispielen 
vorkommendes derberes Rokoko. Plastisches oder gemaltes Schnörkelornament wurde jetzt 
viel verwandt, auch der von Kändler eingeführte Korbtlechtrand kommt gelegentlich vor. 
Die Blumenmalerei, deren naturalistische Behandlung weiter vorschreitet, eroberte sich 
ein immer größeres Feld. Verhältnismäßig früh, jedenfalls schon Mitte der sechziger Jahre, 
machte sich bei dem Wiener Porzellan die antikisierende Richtung geltend. 
Feinsinnig, wie meistens bei den allgemeinen kulturgeschichtlichen Betrachtungen, 
weiß Folnesics den Umschwung zu schildern, den die Fabrik anfangs der siebziger Jahre 
erfuhr. Der mächtige Einfluß der ältesten und bedeutendsten Porzellanfabrik, der von 
Meißen, war im Verlaufe des Siebenjährigen Krieges stark ins Wanken gekommen. An 
ihrer Stelle wurde nunmehr Sevres tonangebend. Daß sich diese Änderung in Wien rascher 
und gründlicher als anderswo vollzog, lag wohl vor allern mit darin begründet, daß der 
österreichische mit dem französischen Hof durch die 1770 erfolgte Vermählung der Maria 
Antoinette mit dem Kronprinzen von Frankreich aufs engste verbunden worden war. 
„Kokette Grazie, feminines Kunstemptinden, überfeinerte Sensibilität und süßliche Senti- 
mentalität" - so drückt sich Folnesics hierüber aus - „veränderten auch in der Porzellan- 
fabrik den bisher üblichen künstlerischen Charakter ihrer Erzeugnisse." 
Damit war der Boden gewonnen für Wiens ruhrnvollste Zeit, das ist die Periode 
Sorgenthal, in der von 1785 bis 1805 die schönsten Stücke geschaffen wurden. Jetzt hatte 
man vor allem die künstlerischen Aufgaben in den Vordergrund gerückt. Die Formen 
zeigten klare Absicht und sicheres Stilemphnden, die Malerei bei höchster technischer 
Vollendung, treffliche Zeichnung und einen staunenswerten Phantasiereichtum. Die rein 
dekorativ gehaltenen „Dessins", die vor allem das Akanthusblatt und die Palmette variieren, 
und die zumeist Reliefgold auf „Leithnerblau" oder verschiedenfarbigem Lüstergrund zeigen, 
sind originell und künstlerisch reizvoll behandelt. Aber auch die Malereien von Figuren, 
Landschaften und Blumen standen während dieser Zeit in Wien auf voller Höhe. Allerdings 
nicht lange, bald schwindet der Glanz wieder. Nach 1825 ist fast nur noch ein jetzt stark 
naturalistisch behandelter Blumenschmuck übrig geblieben. Dann kommt der Biederrneier- 
stil mit seiner Vereinfachung sowie dem Tasten und Suchen nach neuen Formen und 
Dekorationsarten und in der romantischen Periode ein Anlehnen an gotische, dann an 
Rokokoformen. Man strebte auch jetzt nach „Vereinfachung auf der ganzen Linie und 
derber, klarer, nüchterner Gesamtwirkung". „Wir sehen unsere Großväter auf der Suche 
nach einem Gegenwartsstil, aber die Ungunst der Zeit lähmt Ausdauer und Kraft. Ein 
Versinken in traurigste Kunstlosigkeit war das Ende." 1864 erfolgte die Auflösung der Fabrik. 
Wie Folnesics in seinem ersten Abschnitte die Geschichte der Fabrik in bezug auf 
„die Gefäße und Geräte" behandelt, so tut er das in seinem zweiten in bezug auf die 
„Figurenplastik". Er schildert uns hier, wie diese in der ersten Zeit vernachlässigt worden 
ist und erst mit Niedermayers Eintritt in Wien (1747) Bedeutung gewinnt. 
Auch hier war zunächst Meißen vorbildlich. Wien kopierte verschiedene Gruppen 
und Serien, wie die Callot-Figuren, das Affenkonzert, die Bergleute mit mehr oder weniger 
Veränderungen oder hielt sich wenigstens an die gleichen Ideenkreise, denen Meißen 
damals seine sich so großer Beliebtheit erfreuenden Motive entnahm.
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.