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Volltext: Monatszeitschrift XVIII (1915 / Heft 11)

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falls bereits hingewiesen haben. Diese Arbeit (Abb. 8) trägt unter dem 
beweglichen Sinnbilde des heiligen Lukas, das sich rückwärts am Fuße 
befindet, die eingravierte Inschrift des Verfertigers: „]o Känischbaur 17 Hochen 
Ried R. K. M. (Römischer Kaiserlicher Majestät) KarTler Künstler 1726." Wir 
haben bereits am angegebenen Orte hervorgehoben, daß diese Arbeit den 
Geist des älteren Fischer von Erlach zu atmen scheint. Da dieser Künstler 
aber bereits im Jahre 1723 gestorben ist, müßte der Entwurf einige Jahre 
zurückliegen. Nun wäre ja ein verspäteter Beginn oder eine mehrjährige 
Arbeit nicht gerade auffällig; doch kann auch eine bloß geistige Beein- 
flussung durch Fischers Art angenommen werden. Schon die ganze Anord- 
nung wirkt aber wie eine Umgestaltung der Weltkugelidee von Fischers 
Triumphbogenentwurfe des Jahres 1690 (Abb. 9)", einer Idee, die dort 
allerdings weltlichen Zwecken dient, und könnte auch als eine Weiter- 
bildung des eben erwähnten Gedankens des Mariazeller Tabernakels an- 
gesehen werden. 
Wie das Verhältnis zu Fischer aber auch sein mag, auf jeden Fall 
glauben wir, sagen zu dürfen, daß uns in diesem Werke eine der hervor- 
ragendsten Schöpfungen, nicht nur der barocken Goldschmiedekunst 
erhalten ist. 
Wir haben hier bloß diejenigen Werke aufgezählt, die uns urkundlich 
gesichert sind. Die weitere Erforschung der schriftlichen Quellen, vielleicht 
auch der glückliche Fund eines Originals mögen den Kreis der Werke 
Känischbauers noch erweitern; wir begreifen aber schon nach dem bisher 
Angeführten, besonders nach den gewaltigen Stücken für Mariazell, daß die 
Zahl der Werke unseres Meisters nicht allzugroß zu sein brauchte, um eines 
Künstlers Leben zu füllen und für andere Arbeiten nur wenig Zeit übrig 
zu lassen. Sollten sich gleichwohl noch andere umfangreichere Werke als seine 
Arbeit erweisen, so könnte dies unsere Bewunderung nur steigern. Immer 
steht uns aber das Pazifikale der Schatzkammer vor Augen - vielleicht weil 
wir es am öftesten gesehen haben, während wir die anderen Werke seit 
längerer Zeit nicht wieder betrachten konnten -- und wir dürfen wohl 
sagen, etwas Weicheres in der Behandlung des Goldes, etwas Ruhigeres 
und zugleich Glänzenderes in der farbigen Wirkung läßt sich kaum mehr 
vorstellen. 
Wie weit Känischbauer nun bei seinen Goldschmiedearbeiten selbstän- 
diger Entwerfer war, ist schwer festzustellen. Bei dem frühesten gesicherten 
Werke, der Monstranz in Prag, haben wir bekanntlich ihn und den Juwelier 
Stegner als „Inventoren" und Ausführende unterfertigt gefunden. Bei der 
herrlichen Monstranz für Klosterneuburg ist dagegen urkundlich Mathias 
Steinl als Entwerfender nachzuweisen. Wir dürfen also vielleicht auch für 
das Pazifikale der Geistlichen Schatzkammer an einen andern Künstler als den 
i' Das Werk war im früheren Katalog der Geistlichen Schatzkammer als Geschenk Papst Klemens' XI. 
verzeichnet; doch bezieht sich diese Angabe nur auf die darin befindliche Reliquie. 
i" Abbildung des Ganzen in des Verfassers erwähntem Aufsatze im Kunsthistorischen Jahrbuch der 
k. k. Zentralkommission, I1 (1908). Tafel XVI.
	        

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